Schlagwort: Bay Area Thrash Metal

Testament und Exodus – Thrash-Metal-Sturm bei 108 Dezibel

Basel, Anfang Juli 2014. Die berühmteste Thrash-Metal-Band der Welt spielt im größten Stadion der Schweiz vor 30.000 Fans ein Konzert. Die Produktion ist solide, wie es sich für Metallica gehört. Gegen Ende des Auftritts von James Hetfield und Co. werden die Klassiker der Band von den eindrucksvollen Blitzen eines Sommergewitters begleitet, die dem recht euphoriearmen Auftritt dann die Portion „Ride The Lightning“ verleiht, die eigentlich fehlt. Der Auftritt ließ viele Fans der ersten Stunde erstaunlich nüchtern zurück. Ganz nett, aber nicht mehr. Alles eine Spur zu glatt, zu professionell, zu klinisch, zu routiniert, teils fast bemüht.

Blood In Blood Out

Was für ein Brett! Exodus sind eine der wenigen Bands, die man immer nach wenigen Sekunden erkennt, egal, welcher Sänger gerade das Mikro zerlegt. Diese Drum-Philosophie mit den Gary Holt-Riffs sind unverwechselbar und trainieren automatisch den Nacken.

Zehn Jahre nach „Tempo of the Damned“ ist Steve Souza wieder da, der mit seinem fiesen Organ die Songs nach vorne peitscht und dem Material nochmal einen Kick verleiht. Die Produktion ist kraftvoll, aber nicht poliert und zeigt trotz jeder Menge Rotz die Feinheiten der Kompositionen.

Exodus liefern Geschwindigkeitsattacken oder schwere Riff-Monster, die trotz aller Härte und Aggressivität genügend Eingängigkeit besitzen, um als kleine Hits durchzugehen. So überzeugt der Titeltrack mit einem Mitgröhl-Refrain vorm Herrn, „Body Harvest“ mit seinen Gangshouts, „Collateral Damage“ und „Honor Killings“ durch kompromisslose Geschwindigkeit oder „Food For The Worms“ mit fetten Breaks. Ein weiterer Höhepunkt: Kirk Hammett von Metallica steuerte ein Solo zu „Salt The Wound“ bei und hat damit wohl einen der besten Songs, an dem er in den letzten Jahren mitgewirkt hat, gestaltet.

Exodus sind zwar die Urgesteine der Thrash-Szene, gehören mit Scheiben wie diesen aber noch lange nicht zum alten Eisen. Im Gegenteil: Viele Jungspunde werden einmal mehr staunen, dass die ergrauten Herren für eine Wand aufziehen.