Melvin

COLOUR HAZE gehen auf Tour

Noch taufrisch ist das Mitte Dezember erschienene Album ‚To The Highest Gods We Know‘ der Münchener Stoner-Rock Band Colour Haze. Die wahrscheinlich etablierteste Stoner-/Psychedelic-Rock Institution Deutschlands (wenn nicht sogar Europas) hat im Rahmen der fünften Auflage des ‚Up In Smoke Roadfestivals‘ neue Tourdaten angekündigt, die sie durch einige deutsche, sowie ausgewählte österreichische Städte führen wird…

COOGANS BLUFF on Tour mit SPIDERGAWD

Ab März rollt die Stoner-Dampflok wieder durch Deutschland, diesesmal mit einer interessanten Kooperation der Berliner/Rostocker Coogans Bluff und der Trondheimer Motorpsycho-Abkömmlinge Spidergawd. Präsentiert vom eclipsed Magazin, Triggerfish.de und Stonerrock.eu sind verschiedene Haltestellen in Deutschland, Italien, der Schweiz, Belgien und Frankreich determiniert worden. Die genauen Daten dazu findest du unten. Dazu gibt’s mit ‚Her Tears‘ nochmal…

UFOMAMMUT – Siebtes Album im März

Sie klingen so wie sie heißen – Ufomammut veröffentlichen am 27.03.15 ihr bereits siebtes Studioalbum, welches den Namen ‚Ecate‘ tragen wird. Die drei Herren aus Italien sind seit langem bekannt für schweren, pelzigen Sludge mit eher genreuntypischen, psychedelischen Einflüssen. Die Tracklist von ‚Ecate‘ liest sich wie folgt: 01. Somnium 02. Plouton 03. Chaosecret 04. Temple…

Evil Lullabies

Mit Definition Of Madmen schicken die Niederlande einen weiteren Kandidaten in Sachen Vintage-Rock Debüt ins Rennen. Eine Band, die sich für so authentisch hält, dass sie ihr erstes Studioalbum prompt einmal analog aufnimmt und produziert. Interessant auf jeden Fall, was einem da mit dem Namen ‚Evil Lullabies‘ auf den Tisch flattert.

Das Album beginnt anders als erwartet. Anstelle des angekünfigten Drive und der Energie traben schleppend groovende AC/DC Riffs durch die Lautsprecher, begleitet von möglichst minimalistischem Schlagzeug. Über die Definition von Energie mag sich streiten lassen, jedoch kommen mir diese ersten Songs auf der Platte eher wie die Art Musik vor, die man den heute von ihren Kindern in vollausgestattete, rund um die Uhr bewachte und umsorgte Seniorenresidenzen gesteckten Altrockern vorspielt, um ihnen zeitgleich ein Gefühl jugendlicher Frische zu geben ohne dabei das Risiko eines arteriosklerotischen Schocks unnötig zu steigern. Mit dem weiteren Verlauf des Albums gewinnt zwar nicht die Entwicklung hin zu interessanter Abwechslung, aber immerhin die konsequentere Verfolgung der Bluesrock Attitüde. ‚Not My Way‘ groovt dabei immerhin schon etwas mehr, kann den gleichgültigen Trab der Karawane aber noch immer nicht ganz abschütteln und ist zudem gespickt mit harmonisch fragwürdigem Gesang. Die ‚Steigerung‘ die der Song im letzten Drittel erfährt ist so unzufriedenstellend ausgeführt, dass die Erdung dieser in den stinknormalen Refrain zum Ende beinahe etwas beleidigend unoriginell erscheint. ‚Don’t Fake It‘ an nächster Stelle gestaltet sich als eine Art Sinnbild dieses Albums. Prinzipiell sind gute Parts dabei, das Grundgerüst des Songs ist solide, groovt und hat Potential. Als herbe Mankos sind allerdings die Parts abseits von Strophe und Refrain zu nennen, die ohne Zweifel dringend notwendig sind, um den Songs eine Spur Attraktivität abseits der 0815-Strukturen zu verleihen, dabei aber so inkonsequent und beinahe dilettantisch dahingespielt sind, nur um überhaupt etwas zu haben. Auch die Produktion überzeugt bei aller Liebe zu analoger Retroaffinität nicht. Der Sound ist undefiniert, das Schlagzeug besitzt, u.U. auch der Spielweise geschuldet, kein Durchsetzungsvermögen und die langgezogenen Gesangspassagen in den Refrains besitzen teils grenzwertigen Charakter.

Da, doch ein guter Moment: Bei ‚Beyond The Moon‘ setzt (endlich) einmal ein ausgedehntes Gitarrensolo an, das in heulend langsamer Lethargie schließlich doch tatsächlich in einem general-Speed-up endet, das sauber ausgespielt und sogar durch wabernde Stereoeffekte der Sologitarre unterstützt wird. Ein Moment, auf den man viel zu lange warten musste. Beim nächsten Track ‚Falling Down‘ dann aber wieder das alte Leid: der Ausreißerpart entpuppt sich diesesmal als hauptsächlich bass- und schlagzeugbasierte psychedelische Passage, die aber wieder nur halbherzig ausgespielt wird und in den schnöden Refrain endet. Es fehlt schlicht an Energie und Konsequenz. Einmal die Tracklänge über die drei bis vier Minuten hin zu einer zeitlich zweistelligen Ausreizung der progressiven Tendenzen nutzen, einmal einen musikalischen Gedankengang zu Ende führen und dabei in mehr als eine Richtung gehen, einmal Grandeur zeigen und ‚Evil Lullabies‘ wäre erheblich aufgewertet. Andeutungen davon sind ab und an zu erkennen, wie bei ‚Love‘ der durchaus mit Abwechslungsreichtum zu überzeugen vermag, gegen Ende sogar in einen flotten Jazzrhythmus mündet aber ebenso schnell wieder verebbt. Leider passiert auf weiten Strecken des Albums zu wenig und es bleibt das Bild von den Holländern, die auf 70er/80er Jahre Bluesrock hängen geblieben sind und dies seit Jahrzehnten in einem ewigen Ritardando wiedergeben, wohl darauf bedacht, weder sich selbst noch den Hörer allzugroßen Strapazen oder Überraschungen zu unterziehen.

Unmountable Stairs

Gerade einmal zwei Jahre ist die musikalische Kooperation der vier Österreicher unter dem Namen Witchrider alt. Dabei haben diese sich früh auf ihren Weg festgelegt: den staubigen, den dreckigen, den ausgetrockneten Weg durch die Wüste. Dabei ist der Desert Rock, wie er heute an verschiedensten Orten erneut keimt und gedeiht keine wörtliche, musikalische Wüste. Sie wird bewohnt von Spezialisten und Alteingesessenen, die sich in jahrelanger Koevolution vorteilhafte Anpassungen an das Leben im trockenen Dreck angeeignet haben. Diese Spezialisten sind oftmals, in der Musik wie in der Natur, endemisch in diesen Gebieten und daher prinzipiell rar bzw. begrenzt und schützenswert. Allerdings gestaltet sich die Erhaltung einer Art ohne zugehörigen Lebensraum als schwierig, deshalb gilt es nun erst einmal zu schauen, welche Art subtropisch-ariden Biotops uns die Österreicher hier vorsetzen.

‚Unmountable Stairs‘ ist ein Album von solider Qualität. Es finden sich alle notwendigen Grundvoraussetzungen, um die Kategorisierung, von deren strenger Ausführung die Band konform des rezenten Trends natürlich Abstand nimmt, zu rechtfertigen. Da ist ein kompromissloses, schnörkelloses Intro, das das Album mit der richtigen Message eröffnet. Basiert auf Riffs und Fuzz wird das Konzept von einer leicht psychedelisch angehauchten Stimme nuanciert und ergibt so eine stimmige Fusion. In dieser österreichischen Wüste findet sich zwar kein Grand Canyon und auch keine filigran erodierten Gesteinskomplexe monumentalen Charakters, auch die floristische und faunistische Ausstattung beherbergt keine einzigartigen Vertreter, aber was ist gemäß der Ökosystemzonierung in diesen Breiten schon zu erwarten? Nicht die große Finesse, nicht der ausgeprägt exotische Charakter aber immerhin ein weitläufiges Trockengebiet, in dem es möglich ist zu verdursten.

Durchaus für Witchrider spricht der offensichtliche Tatendrang, sich vorwärts zu bewegen. Zwei Jahre alt und bereits ein professionelles Album bei einem renommierten Label in der Tasche zu haben, ist eine Ansage. Außerdem steht für den Oktober ein Tour-Support für die Truckfighters an, eine Kombination, die ich mir durchaus passend vorstellen kann. Stoner Rock in seiner rohen, unverarbeiteten Form aus Europa. Ein Trend der sich zwar auf dem aufsteigenden Ast befindet, auf lange Sicht jedoch aufpassen muss, diesen einen nicht zu überlasten, sich weiterzuentwickeln und parasitär auf andere Phanaerophyten überzugreifen. Trotzdem spreche ich Witchrider und ihrem Album keinesfalls die echten Emotionen und Leidenschaft ab, die auf Platte jedenfalls zu erahnen sind. Live denke ich haben die Jungs auf jeden Fall eine Chance verdient.

II

Ziemlich genau neun Monate ist es her, dass Spidergawd ihr Debütalbum veröffentlichten, das auf Anhieb begeisterte und ihren Namen fest in Musikbibliotheken von Freunden des 70er- retroaffinen Stoner Rocks mit progressiven Tendenzen verankerte. Neun Monate Zeit hatte nun das neue Baby der Norweger, um Form anzunehmen, sich auszudifferenzieren und schließlich geboren zu werden. Dabei haben sich die vier Trächtigen in dieser Zeit allerdings keineswegs geschont, intensives Touring stand auf dem Programm. Nun ist es da, liebevoll ‚II‘ getauft worden und wie schon das Debüt ausschließlich in limitierter Vinyl-Edition erschienen.

‚II‘ beginnt, wie ‚I‘ aufhörte. Und zwar genau so – mit einem metallisch-dumpfen Südstaatenblues. Doch anders als bei ‚Untitled‘, dem Abschluss des Debütalbums, explodiert der Opener des Nachfolgers ‚…Is All She Says‘ nach knapp zwei Minuten und schleudert dem Hörer prompt den rotzigen, dreckigen und zugleich brillianten Retrosound entgegen, der so willkommen ist, wie eine warme Dusche an einem saukalten Januarmorgen. Ja, das ist Spidergawd, das ist ihr Sound, ihre Intensität, ihre Unabhängigkeit. Produziert in Eigenregie und abgerundet mit der Stimme Per Bortons, die sich irgendwo in der Hybridisierung von Jim Morrison und John Garcia wiederfindet, bringt die alte Trondheimer Schule einen Sound auf die Platte, wie derzeit kaum ein anderer. Das mag auch an der gelungenen Integration Martin Snustads und seinem Bariton Saxophon liegen, die in beiden Rollen, sowohl als hintergründiger Sound-Support wie bei ‚Tourniquet‘, als auch als Melodieangebende oder sogar Solostimme wie bei ‚Caerulean Caribou‘, wunderbar mit dem Rest harmonieren und dem Gesamtwerk ein Frischesiegel jenseits der gewohnten Gitarre-Bass-Kombinationen aufdrückt.

Nachdem der Opener, sowie die folgenden Tracks ‚Tourniquet‘ und ‚Crossroads‘ wieder einwandfrei überzeugt haben, wird mit dem ‚Fixing To Die Blues‘ ein wenig Tempo und Groove herausgenommen. Der Song kann nicht so recht Anschluss finden, wird als Überleitung zu ‚Caerulean Caribou‘ aber hingenommen, der mit psychedelischen Klängen zunächst auf einen wunderbar in Szene gesetzten Saxophoneinsatz aufwartet, um daraufhin die Rhythmusmaschine anzuschmeißen um sich gemütlich groovend fortzubewegen. Nach einiger Zeit kristallisiert sich das ganze auf eine Melodiespur des Saxophons, die einem ebenso bekannt vorkommt, wie sie unerwartet zum Vorschein kommt. Kein Gesang in diesem Titel, aber ein gelungener Instrumentaltrip, der sich weit über die Grenzen des Erwarteten hinauswagt. Bei ‚Get Physical‘ geht es wieder etwas gewohnter zu, wobei die Details, wie pompös übertriebene Mehrstimmigkeit in kurzen Gesangsparts oder die Bläseruntermalung in verschiedenen Oktaven, den Song erheblich aufwerten. Mit ‚Made From Sin‘ kommt wieder mal richtig Tempo ins Spiel. Endlich darf Schlagzeuger Kenneth Kapstad sich selbst und seine Mitmusiker zur Höchstleistung anheizen, was ihm ausgesprochen gut gelingt. ‚Our Time (Slight Return)‘ ist wiederum mit etwas schwererem Groove behangen und nimmt im Refrain sogar eine barocke, epische Attitüde an. Der letzte Song ‚Sanctuary‘ macht einen ungewöhnlich glatten Eindruck, schmeichelt dem Hörer auf unerwartet unkomplizierte Art und Weise und bringt mit der Folge aus Saxophon- und Gitarrensolo, die entsprechend der Situation mit einem nicht unwesentlichen Schmalzanteil versehen sind, das Album zu einem würdevollen, sogar ein bisschen komischen Ende.

Spidergawd nehmen uns mit auf ihre zweite große Reise. Dabei gibt es wieder einiges zu bestaunen und die Wege zwischen den einzelnen Hörenswürdigkeiten sind auf ein Minimum begrenzt. Die Touring-Eskapaden scheinen der Schwangerschaft keinen Schaden zugefügt zu haben und so präsentiert sich ‚II‘ als ein gesundes, glückliches Zweitgeborenes, das ebenso wie das Debüt zu überzeugen vermag und sogar noch ein gutes Stück an Finesse in der Produktion gewonnen hat. ‚II‘ ist eine Reise, die es wert ist, angetreten zu werden und das einzige, was man vielleicht vermissen könnte, wäre eine längere Etappe, ähnlich des viertelstündigen Epos ‚Empty Rooms‘ auf dem Vorgänger, aber bei einer durchschnittlichen Tracklänge von knapp fünf Minuten ist das schon Meckern auf höchstem Niveau.

Nihiling

Wenn man ein neues Album in die Hände bekommt, muss man zunächst einmal seine Erwartungshaltung an diesen Tonträger klären. In manchen Fällen sorgt dabei die schlichte Unbekanntheit des Interpreten für den Hörer oder Rezensenten dafür, dass diese sich auf ein Minimum beschränkt und vielleicht lediglich auf äußerlichen Infos wie dem Cover, dem Genre oder Hinweisen, bzw. Empfehlungen beruhen. Gerade in letzterem Fall muss sorgfältig ausgelotet werden, von welcher Quelle welche Information über welche Art von Musik kommt. Im Falle der Hamburger Post-Rock Band Nihiling sind diese singulären Faktoren, die die Erwartungshaltung prägen, schlicht durch eine Referenz zu der 2011 aufgelösten Band Oceansize aus Manchester definiert worden. Und die muss man erstmal rechtfertigen.

Der Opener ‚Verylargetelescope‘ beginnt ruhig und atmosphärisch, mit Piano, Trommeln, Synths und Gitarre und steigert sich langsam in eine etwas straightere und akzentuiertere Spielweise derselben Line wie am Anfang. Keine großartige Innovation oder Finesse, das Thema wirkt nach viereinhalb Minuten dann doch etwas ausgelutscht, aber für ein intro vollkommen OK. Auffällig dabei ist außerdem, dass die Produktion der scheppernden Teile des Schlagzeugs extrem stumpf gehalten ist, Becken klingen nicht aus, wirken abgeschnitten und rotzig, das will gar nicht so recht zu der gewünschten Atmosphäre passen. ‚Plot‘ an zweiter Stelle macht sich schon besser. Gesang kommt dazu, der gesamte Song ist deutlich variabler, profitiert von vielen verschiedenen Gitarrenlicks, bei denen unterschiedlichste Effekte für gute Abwechslung sorgen. Nach knapp zweieinhalb Minuten ist dann die erste winzige Nuance einer Verzerrung zu hören, die jedoch nicht weiter expandiert und stattdessen Platz macht für eine emotionale Frauenstimme mit ruhiger Begleitung und Radiohead – mäßiger Computerpercussion. Der Song spitzt sich weiter zu und nachdem eine weitere Phase mit Beckeneinsätzen, die so plump und fad klingen wie das Luftablassen eines Fahrradreifens, überwunden ist, kommt doch tatsächlich eine Art Postrock-Extase zum Vorschein. Diese ist sauber gespielt, gut mit Gesang überzogen und findet ein angenehm harmonisches, melancholisches Ende. ‚Do Not Make Me Axe You Again‘ gestaltet sich zunächst deutlich minimalistischer. Viel Gesang, dezente Gitarrenspuren und Cyberpercussion alternieren dann aber doch mit sauberen, freien Trommelrhythmen und erden in einem für Nihiling – Verhältnisse brachialen Refrain. Kurze Zwischenbilanz in Abhängigkeit von der Erwartungshaltung: An sich kein schlechter Anfang für ein Album, nette atmosphärische Postrock Elemente sind zu finden, der Abwechslungsreichtum ist durchschnittlich, aber von hochvirtuosen instrumentalen wie vocalen Eskalationen oder überhaupt mal einer straighten Akkordfolge, die vom Zustand des verträumten Beinwippens zu unwillkürlichen Kontraktionen ganzer Abschnitte der Skelettmuskulatur und damit mindestens einem energischen Kopfnicken führen, fehlt jede Spur. Es fehlt dem Album schlicht an Intensität.

Weiter im Text. Die Tracks vier und fünf beschreiben sich selbst als Extrapolation der von mir eben aufgestellten Mangelfunktion. ‚Hips‘ ist dabei mit der sowohl klanglich als auch harmonisch anstrengenden Kombination aus Synth und Gesang sogar ernsthaft unangenehm zu hören. Der lang ersehnte Umschlag kommt bei ‚Tragic‘, der sich fast vier Minuten lang als schnöde Radioballade dahin schleppt, bis er endlich zielgerichtet intensiviert wird, wobei an dieser Stelle sogar über die Kompressorbecken hinwegzusehen ist, so herzlich willkommen ist diese extatische Entwicklung. Der vorletzte Titel ‚The Universe Is Something That Happens‘ überrascht noch einmal mit einem unorthodoxen Aufbau. Ein gutes Maß an Variabilität und Unvorhersehbarkeit überzeugt hier über knapp sieben Minuten. Endlich wird es auch mal böse. Bedrohlich schwere Rhythmen, beladen mit donnernden, verzerrten Riffs werden von vielen netten Details umspielt und rufen das erste Mal ein ernsthaftes Kopfnicken hervor. An dieser Stelle wird Nihiling dem Vergleich mit Oceansize zum ersten Mal einigermaßen gerecht. Der letzte Song ‚The Lesson Of Being Who We Are‘ braucht nach der vorausgegangenen Eruption erstmal eine ganze Weile, um sich wieder aufzubauen. Das machen die Hamburger gut, die Atmosphäre stimmt, die Grundidee wird beibehalten, erweitert, staut sich auf, verebbt wieder hin zu einer Pianolinie mit dem fragilen, weiblichen Gesang und erhält dann nochmal einen Schub, der aber eher wie ein letztes Aufbäumen wirkt und an das vorherige nicht heranreichen kann. Ein sauber gespieltes, lang gezogenes Ritardando bringt den Song und damit das Album zuende.

Was die Hamburger Postrocker von Nihiling auf ihrem dritten, selbstbetitelten Studioalbum präsentieren ist keineswegs schlecht. Das Spektrum innerhalb dieses lockeren Genres ist ungeheuer groß, die Erwartungen und Ansprüche des einzelnen daher nur in den seltensten Fällen allumfassend. Die Kategorisierung in die Ecke von Oceansize ist, im Nachhinein betrachtet, schlichtweg falsch und weckt damit beim Rezensenten unverhältnismäßige Erwartungen. Insofern bleibt es mir nur zu sagen, dass die wenigen eskalativen Passagen auf dem Album durchaus Potential haben, insgesamt aber nicht von ausreichender Abundanz sind. Das Dahingeplätschere, das weite Teile der Platte bezeichnet ist nett, aber nicht umwerfend und der Gesang im allgemeinen könnte sich durchaus auch stellenweise einer leichten Intensivierung unterziehen und etwas abseits des zarten Elfensingsang agieren. Wie sehr doch eine falsche Referenz die Objektivität beeinflussen kann.

Schrottplätze und Elefantenfriedhöfe: Melvins Alben des Jahres 2014

Wieder ist ein Jahr vergangen und dem Rezensenten wird die unliebsame Aufgabe gestellt, eine Best-of Liste für die
schier wahnwitzige Zeitspanne von zwölf Monaten zu besetzen. Vieles ging einem da durch die Ohren und in der
Nachbereitung auch durch den Kopf. Alte Bekannte melden sich zurück, neue Gesichter stellen sich vor. Auffällig dabei war für mich, dass kaum eins der neuen Alben von den alteingesessenen Größen wirklich überzeugt hat. Nein, 2014 war für mich ein Jahr der Top-Debüts und der Flops von solchen, von denen man es nicht erwartet hätte.

John Garcia – Solo aber nicht allein

Betrachtet man aus heutiger Perspektive die Evolution des Desert-/Stoner Rock als eine Art Stammbaum, dann findet sich unweigerlich der große Name Kyuss an dessen Basis. Als erster großer Stein dieser westamerikanischen Staublawine haben diese damit etwas losgetreten, das zunächst überhaupt erst die Definition eines ganzes Genres ausmachte und damit eine unglaublich breit gefächerte Einflussnahme ausübt. All die Bands aufzuzählen, die im weitesten Sinne Kyuss entstammen, sei es auf Grund des Mitwirkens eines der ehemaligen Mitglieder oder einfach der Inspiration wegen, würde den Rahmen sprengen. Noch heute sind die Stoner-Rocker der ersten Stunde aktiv. Um einige Beispiele zu nennen: Josh Homme füllt mit Queens of the Stone Age jedes Stadion der Welt, Brant Björk spielte bei Fu Manchu, hat bereits sieben Soloalben veröffentlicht und ist darüber hinaus als Produzent tätig, Nick Oliveri hat nach seinem Rauswurf bei QOTSA so ziemlich alles durchgemacht und erscheint heute öffentlich ebenfalls als Solointerpret, sowie mit seinen Bands Mondo Generator und The Dwarves und dann ist da noch John Garcia, die Stimme der Wüste, der nach seinen Projekten mit Slo Burn, Unida, Hermano und zuletzt Vista Chino nun ebenfalls sein erstes Soloalbum veröffentlicht hat. Letzteren treffen wir im Vorfeld seines Konzerts im Rostocker M.A.U. Club zu einem Plausch in seinem Tourbus.

SPIDERGAWD – Neues Jahr, neues Album

Ein grandioses Debütwerk legten uns die Herren von Spidergawd, deren Hälfte dem Psych-Prog Urgestein Motorpsycho entstammt, erst im Frühling diesen Jahres vor (wir berichteten). Nach diesem gelungenen Auftakt in Kombination mit Tour und erstklassigen Presseberichten scheinen die Trondheimer richtig in Fahrt gekommen zu sein und präsentieren schon am 16.01.2015 ihre nächste Platte ‚II‘. Der Vorverkauf…