jakob

Enter Shikari – Ein Konzert mit leichter Erdbebenstärke

Selten hat dieser Hallenboden so stark vibriert wie an diesem Donnerstagabend. Unter dem Gewicht einer wogenden Masse, die so ausgelassen und wie ein ganzer Körper tanzt und springt, als wolle man eine wummernde, basslastige Botschaft nicht nur an die Zocker im Casinos nebenan und die ganze Neuköllner Nachbarschaft schicken, sondern gleich noch in den Äther.

Und aus den Wolken tropft die Zeit

Tocotronic trifft auf Element of Crime. In Berlin. Mit viel Herzschmerz, Lebensfreude und melancholischer Selbstironie – und natürlich anderer Besetzung: Das Großstadt-Quartett ‚Isolation Berlin‚ hat in beachtlicher Eigenproduktion ihr Debüt produziert, ja man könnte sagen mit junger, Berliner Lässigkeit dem Publikum um die Ohren gehauen. ‚Und aus den Wolken tropft die Zeit‘ ist freche, unverbrauchte, unkonventionelle, nicht auf Perfektionismus getrimmte Gitarrenmusik mit Orgelbegleitung, die sich zwischen den Genres Funk, Rock ’n‘ Roll und Chanson nicht entscheiden möchte.

Dazu passen die aus dem Leben gegriffenen Texte sehr gut und müssen daher auch keine poetischen Wunder darstellen. Der Opener ‚Produkt‘ ist allerdings eine geniale (Selbst-)Kritik auf die Musikindustrie, auf den kaufgeilen Kapitalismus allgemein. Und zwar prägnant auf den Punkt gebracht aus der Perspektive der personifizierten Platte selbst:

‚Ich bin ein Produkt, ich will, dass man mich schluckt… ich will, dass ihr mich liebt und auch die ganze Welt. Ich lebe für Applaus bis der Vorhang fällt.‘

Die restlichen Songs schwanken zwischen Nostalgie (‚Aufstehn, Losfahrn‘), depressiver Großstadthassliebe (‚Fahr weg‘), expressiver Liebesbekenntnisse (‚Ich küss dich‘), betrunkener Melancholie (‚Schlachtensee‘) und geplatzten Träumen (‚Du hast mich nie geliebt‘). Sänger Tobias Bamborschke singt dabei nicht nur, sondern lallt, zischt, schreit, tobt, und wimmert, wo es passt. Die Musik von ‚Isolation Berlin‚ ist der Sound Berliner Kneipen: Gemütlich, seicht dahinfließend und im anderen Moment aufbrausend und lebendig, voller Humor. Das ist nicht Musik für jedermann, aber auch keine, die irgendwo aneckt. Glücklicherweise bespielen die Berliner Jungs nicht nur Bars, sondern sehr fleißig über 40 Bühnen allein von Februar bis September. Langweilig wird dem Zuhörer dabei wohl nicht.

Gewinnt mit uns Tickets für ENTER SHIKARI!

Ende des Monats kommen Enter Shikari auf Deutschland-Tour! Wir haben 1 x 2 Tickets für die Show eurer Wahl in glückliche Händchen abzugeben. 23.03. 2016 München – Kesselhaus 24.03. 2016 Berlin – Huxley’s 27.03. 2016 Köln – E-Werk Um am Gewinnspiel teilzunehmen, schreibt uns bis zum 20.03.2016 eine Mail mit eurem vollen Namen und dem…

DEFTONES – Neues Album ‚Gore‘ ab 8.4. im Handel

Deftones haben die Veröffentlichung ihres neuen Albums bekannt gegeben. ‚Gore‘ erscheint am 8. April und ist das achte Album der Multi-Platin- und Grammy-dekorierten Rockband. Das Werk kann hier vorbestellt werden. Vorbesteller erhalten einen sofortigen Download der ersten Single ‚Prayers/Triangles‘. Das Video dazu ist von der GEMA leider noch nicht freigegeben. ‚Gore‘ wurde produziert von Matt…

Engtanz

Nichts ist trauriger als Menschen, die sich nicht eingestehen wollen, dass sie älter werden und keine 18 mehr sind. Männer verarbeiten ihre Midlife-Crisis ganz unterschiedlich. Manche laufen plötzlich Marathon, andere schrauben an Autos oder kramen vielleicht ihre alten Briefmarkenalben wieder raus. Der 35-jährige Familienvater Axel Bosse hat zweifelsfrei einen der besten Wege gefunden, mit seinen alltäglichen Problemen umzugehen, mit dem erdrückenden Gefühl, dass die Zeit rennt, dass man vielleicht etwas verpasst hat. Er verarbeitet all seine Gefühle, Träume, Wünsche, Sorgen in musikalischen Geschichten. Großartig, dass daraus auch noch ein wunderbares Album entstanden ist.

Mit seinem sechsten Album ‚Engtanz‘ legt Bosse eine erwachsene, aber ebenso lebendige und nostalgische Platte vor. Ging es beim Vorgänger ‚Kraniche‘ noch darum, sich und andere von außen, aus der Entfernung, quasi aus luftiger Höhe zu beobachten, ist der Wahlhamburger von der Vogelperspektive wieder herabgestiegen für einen ‚Engtanz‘ – und zwar mit sich selbst. Selbstreflexion lautet das Motto. Er singt über sich, seinen Ist-Zustand, über alles was ihn beschäftigt und was ihn in den letzten Jahren geprägt hat. Er hat sich viel Zeit genommen, drei ganze Jahre, und das ist gut so. Er hätte ja auch einfach das Erfolgsrezept vom Vorgänger, mit der er erstmals in seiner über 15-jährigen Karriere die Gold-Marke geknackt hat, noch einmal aufwärmen können. Das wäre im Musikbusiness keineswegs ein Eklat gewesen.

Aber glücklicherweise wiederholt sich Bosse nicht gerne. Im Gegenteil: Für seinen ‚Engtanz‘ hat er sich neue Musik aufgelegt. Das Album markiert für ihn das Ende seiner Jugend. So ist es kein Wunder, dass die E-Gitarren noch mehr in den Hintergrund treten, Platz machen für akustische Klänge, aber auch Streicher, Chöre und zum Teil auch elektronische Beats. Oder für ein Feature mit Rapper Casper beim Song ‚Krumme Symphonie‘. Das muss nicht jedem gefallen, aber tanzbar bleibt die Musik allemal. Und dabei ist man hin- und hergerissen, ob man lieber zuhören möchte, wie Bosse seine zwölf Geschichten erzählt, oder doch begeistert mitsingen will. Denn Bosse singt nicht von realitätsfernen Problemchen irgendwelcher abgehobenen Popsternchen, sondern von Themen, bei denen sich die meisten irgendwo wiederfinden werden – und das mit verständlicher, aber für die deutsche Musikszene immer noch bemerkenswert großartiger Poesie.

Es geht um den Versuch, sich zu verorten, gefühlt auch mal ‚Außerhalb der Zeit‘, seinen Platz im Leben zu finden, obwohl dieses nicht immer stimmig ist und sich auch oft wie eine ‚Krumme Symphonie‘ anhören kann. Es geht um die Momente, wo die ‚Nachttischlampe‘ brennt, weil man gar nicht mehr schlafen kann vor zu vielen Grübeleien. Auch über die Vergangenheit. All seine ‚Steine‘, Altlasten aus vergangenen Tagen und Jahren, holt Bosse heraus. Er räumt sie weg, er räumt damit auf, beißt sich die Zähne an ihnen aus, weil er weiß, dass es ihm dann schließlich besser gehen wird. Dann kann er seinen ‚Engtanz‘ erst richtig genießen, eben wenn er keine Berührungsängste mehr mit sich selbst hat. Dazu gehört auch, dass man sich verpasster Chancen im Leben (‚Blicke‘) bewusst wird, sich aber ebenso in schlechteren Zeiten von anderen mitreißen lässt (‚Dein Hurra‘). Und zum Schluss nimmt Bosse mit ‚Ahoi Ade‘ Abschied von geliebten Menschen und gelebten Zeiten. Bevor man dann auf den Knopf drückt, um diese wunderschöne Platte gleich noch einmal zu hören, bleibt das Gefühl zurück, dass Bosse mit großer Spannung, aber auch mit viel Vorfreude seinem nächsten ‚Engtanz‘, seiner Zukunft, entgegenblickt.

BOSSE – Morgen erscheint das sechste Album ‚Engtanz‘

Morgen, am 12.02.2016 veröffentlicht Bosse sein sechstes Studioalbum ‚Engtanz‘. Dabei hat er sich weit weg vom Klammer-Blues aus Teenagerzeiten entwickelt. Wer bis morgen nicht warten möchte, kann sich hier schon den Albumplayer anhören: Das offizielle Video zur bereits erhältlichen Single ‚Steine‘ feierte bereits Premiere, auch mit einer Akustikversion: BOSSE – ENGTANZ TOUR 2016 29.02.2016 Mannheim,…

BLESSTHEFALL & BURY TOMORROW auf Impericon Progression Tour 2016

Die Metalcoregrößen Blessthefall und Bury Tomorrow laden als Headliner zur diesjährigen Impericon Progression Tour in fünf deutsche Städte ein. Bisher haben es die Jungs von Blessthefall noch nicht geschafft, mit ihrem aktuellen Album ‚To Those Left Behind“ durch Deutschland zu touren. Suf der Progression Tour 2016 können die Fans dann endlich neue Songs live genießen.…

ENTER SHIKARI – Neues Video zur Single ‚Redshift‘

Enter Shikari sind zurück! Knapp zwölf Monate nach Veröffentlichung von ‚The Mindsweep‘, ihrem vierten Top10 UK Album, veröffentlichen Enter Shikari ihre neue Single ‚Redshift‘. Sänger Rou Reynolds erklärt: ‚Redshift is a song about bloody good luck! On the grandest of scales! Literally! Our universe is expanding faster and faster and a few billion years from…

Gumption

So erwachsen, so professionell, so ernst erscheint das Debüt von Taryn Miller alias Your Friend. Dabei ist die US-Amerikanerin aus Kansas gerade einmal 24 Jahre alt. 2014 veröffentlichte sie ihre erste, selbst eingespielte EP Jekyll/Hyde, tourte als Vorband mit der ebenfalls noch sehr jungen australischen Singer-Songwriterin Courtney Barnett und kehrte Mitte des Jahres auf den Bauernhof ihrer Familie zurück. Was hat das mit dem Album zu tun? Nun, hier ließ sie sich von ihrer nostalgischen Kindheitserinnerungen inspirieren. Sie hatte sich eine Aufnahmegerät besorgt und versuchte sich am ‚Field recording‘, also der Aufnahme von Natur- und Umgebungsgeräuschen außerhalb des Tonstudios. Sehr außergewöhnlich. Aber genauso klingt ‚Gumption‘.

Und tatsächlich: Achtet man genau auf die vielschichtigen Klangstrukturen, so erahnt man zwischen dem verträumten, zum Teil melancholischen und trotzdem energischen Synthie-Pop bereits beim Opener (‚Heathering‘) leise Traktorengeräusche. ‚Come Back From It‘ ist dagegen von leicht bedrohlich anmutenden Beats im Hintergrund geprägt, die sich anhören, als wenn jemand gegen eine große Metallwanne schlagen würde. Natürlich alles schön nachträglich im Studio abgemischt. In ‚To Live With‘ plätschert ein Bächlein vor sich hin und auch bei den anderen Songs kann man sich durchaus im Wind wogende Kornfelder vorstellen.

Es braucht eine gehörige Portion Mut dazu, sich solch ein Klangexperiment bei der ersten Platte zu trauen und nicht in die gleiche Mainsteam-Kerbe hineinzuhauen, wie die meisten Konkurrentinnen in ihrem Alter und im selben Genre. Vielleicht spielt darauf sogar der Titel an (gumption, engl. Mumm, Schneid). Jedenfalls besticht gerade die instrumentale wie melodiöse Vielseitigkeit, die eng gewobene Songstruktur von Millers Musik, die sich mal düster, mal lebendig, mal bewegend, mal dynamisch ausnimmt – eben ein Abbild der Natur. Mit jedem weiteren Hören entdeckt man weitere versteckte Elemente und kommt auch langsam hinter die tiefgründigen Texte von der Verantwortlichkeit des Individuums für seine natürliche Umgebung und die Gesellschaft.

Wer nach Ohrwürmern sucht, wird von ‚Gumption‘ enttäuscht. Die Platte ist bestimmt nicht jedermanns Geschmack, aber könnte dennoch für viele ein ‚guter Freund‘ für verschlafene und nachdenkliche Tage werden.

If I Should Go Before You

Vorbei sind die Zeiten der seicht dahinplätschernden Klänge einer Akustikgitarre. Dahin die Zeiten des einfachen, aber genialen Sounds des Singer-Songwriters Dallas Green alias City and Colour. Sicher: Mit den letzten Alben hatte man sich schon mit den instrumentalen Ergänzungen arrangiert. In ‚Little Hell‘ hatte Green nach seiner Zeit bei Alexisonfire erstmals wieder eine elektrische Gitarre für eine Plattenaufnahme in die Hand genommen. Bei ‚The Hurry And The Harm‘ hörte man dann im Hintergrund sogar dezent und gut eingesetzte Streicher spielen.

Aber was einem beim Opener des fünften Studioalbums des Kanadiers entgegenkommt – das muss man erst einmal langsam verdauen. Ganz langsam baut sich der Song ‚Woman‘ auf. Erst nach anderthalb Minuten Klangteppich, der an Incubus und sogar ein wenig an Tool erinnernt, ertönt die sanfte, unverwechselbare Stimme von Green. Es ist ein Mantra (

‚Woman, My love is never ending, Like a sea without a shore…‘

), das er drei Mal wiederholt und mit dem er die zuvor noch ruhige See in einem brausenden Sturm verwandelt. Klangwellen rollen über den Hörer neun Minuten hinweg, bis wieder Ruhe einkehrt. Und man ist fast ein wenig erleichtert ob dieses ungewohnten Einstiegs.

Eine Verschnaufpause bietet danach ‚Northern Blues‘, dessen Name Programm ist und es geht wider Erwarten auch bei den nächsten Songs viel gemächlicher zu, wenn auch viel abwechslungsreicher als gewohnt. Tatsächlich hat sich Green bei der Aufnahme von ‚If I Should Go Before You‘ längst nicht mehr allein mit seiner Gitarre vor das Mikrophon gesetzt, sondern gleich seine ganze Tourband eingeladen. Und so reizt er die gesamte musikalische Vielfalt bei den nächsten Songs aus: Von überraschend harten Gitarrensoli beim ansonsten ruhigen, folkigen ‚Mizzy C‘ über soulige Melodien bei ‚Killing Time‘ bis hin zu Country-Klängen bei ‚Runaway‘ und Rock’n’Roll bei ‚Map Of The World‘.

Der Titelsong ist zweifelsfrei eine großartige Ballade. Die Liebe bleibt ein großes Thema für City And Colour, auch wenn es sich hier mit düsteren Todesgedanken verknüpft. Allerdings mit einem pathetischen Happy End im Afterlife:

‚And when that night crawls itself away, Dying in the light of day. Our endless love will remain, Until we meet again‘.

Es bleibt dabei, dass sich Greens großartige Stimme vor allem bei den ruhigen Songs komplett entfalten kann. Obwohl man gespannt sein kann, was er nach der angekündigten Reunion von Alexisonfire demnächst zum Besten geben wird. City and Colour haben sich derweil weit von den folkigen Anfängen à la ‚Comin‘ Home‘ entfernt. Doch sieht man über den protzenden, ein wenig irritierenden Opener ‚Woman‘ hinweg, bleibt doch ein sehr stimmiges Album übrig, in dem Green sein großes musikalisches Talent zur Schau stellt. Und man kann ja beim weiteren Hören einfach den ersten Track überspringen.