Melanie

Forever Punk, irgendwie. Tuned in oder Unplugged. Keine Schubladen. Achja, und Horn is the new Punk!

Silent Town

Mit ihrem mittlerweile sechsten Album verfolgen Talco, die Band aus dem venezianischen Maghera, noch konsequenter den Plan, Platten als Konzeptalben zu veröffentlichen. Und zwar so konsequent, dass es zu ‚Silent Town‘ nicht nur eine Platte, sondern auch einen Roman von Frontmann Dema gibt, der die Erzählstränge von ‚Silent Town‘ aufgreift und weiterspinnt.

‚Silent Town‘ steht für das fiktive Kleinstadtleben in einer Gegend die von Bunga-Bunga-Italien vergessen worden ist. Wo Diskriminierung, Gewalt und Rassismus zum Alltag gehören wie die Pasta zum Vorurteil. Und auch wenn einem diese ‚Silent Town‘ also eher trist, heruntergekommen und betongrau erscheint, heißt das nicht, dass man sie nicht mit musikalischen Füßen treten darf. Der Opener ‚Il Tempo‘ beweist das schon sehr eindrucksvoll mit treibenden und (nieder-)stampfenden Beats und Bläsern, die dem Song die klaffende Schere der Gesellschaft einhauchen.

Talco unterbreiten auf ihrem neuesten Werk ‚Silent Town‘ tanzbaren Ska mit klugen Texten und durchdachtem Konzept. Aber insgesamt bleibt die Platte musikalisch in den Mauern dieser Stadt gefangen. Es fehlt die Abwechslung. So kommt ‚Silent Town‘ leider nicht über das Mittelmaß hinaus, obwohl das Konzept der Platte wirklich toll ist und sie auch inhaltlich was zu bieten hat. Schade.

Entartete Musik: Willkommen in Deutschland

Als die Toten Hosen vor ziemlich genau zwei Jahren drei Abende zusammen mit dem Sinfonieorchester der Robert Schumann Hochschule unter dem Motto ‚Entartete Musik: Willkommen in Deutschland‘ gestalteten, war nicht abzusehen, wie erfolgreich diese Abende werden sollten. Nun werden diese Abende als Platte veröffentlicht. Für alle, die dabei waren, als Erinnerung, und für alle anderen als Blick. Als Blick auf etwas, das sich im ersten Moment sehr gut in die Reihe dieser Tage emporsprießender Rock-gegen-Rechts-Alben einreihen könnte. Oder als Konzeptalbum ‚Rockband meets Orchestra‘.

Und doch ist es irgendwie ziemlich anders. Es fehlt der erhobene Zeigefinger, der sich angesichts der aktuellen Flüchtlingsdebatte so einfach bemühen ließe, und auch einen Mantel der triefigen Betroffenheit sucht man auf diesem Mitschnitt vergebens. Denn auch wenn für all die Werke, sei es aus der Dreigroschenoper (‚Kanonensong‘, ‚Zuhälter-Ballade‘), in Musik gekleidete Gedichte von Erich Kästner und Hermann Hesse (‚Stimmen aus dem Massengrab‘, ‚Im Nebel‘) oder Songs von den Comedian Harmonists das Siegel ‚entartet‘ gilt, heißt das nicht, dass man so eine Platte nicht auch auflockern und sie mit Unterhaltsamen füttern dürfte. Denn auch im Jahr 1928 gab es Satire (‚Einen großen Nazi hat sie‘). Neben dem breiten musikalischen Spektrum, dsa das Sinfonieorchester bietet, entfacht Campino Gänsehautmomente. Er transportiert Stimmung und Gefühle, beißt, schreit und tobt sich durch ‚A Survivor From Warsaw Op. 46‘ oder gibt den Entertainer (‚Ich muss heute singen‘). Er, der sonst bei Konzerten auch gerne Texthänger hat oder den Einsatz verpasst, avanciert nun zum Vollblutprofi.

Eigentlich ist diese Platte in den üblichen Maßstäben kaum zu bewerten, da sie sich keinesfalls eignet, um im Auto oder auf der Zugfahrt mal nebenbei gehört zu werden. Wenn man dies jedoch als die Erinnerung an einen sehr besonderen musikalischen Abend nimmt oder als Geschichtsstunde, die nicht belehrend sein will, ist das ganz, ganz großes Kino.

ERIK COHEN – Neues Video

Erik Cohen präsentiert mit seinem neuen Video zu ‚Hier ist nicht Hollywood‘ den ersten Vorboten zu seinem am 15.01.2016 erscheinenden neuen Album ‚Weisses Rauschen‘. Der Song ‚Hier Ist Nicht Hollywood‘ ist auf allen gängigen Download-Portalen erhältlich, physisch ist der Song derzeit ausschließlich auf einer strikt limitierten 7-Inch mit exklusiver B-Seite hier zu erwerben.

CAMPINO liest ‚Peter und der Wolf‘

Wenn er schon mit der Hauptband die ausgetretenen Pfade verlässt und in den Bereich der Orchestermusik hineinschnuppert, hat Campino sich auf diesem Weg auch noch ein wenig weiter ausprobiert. Der Hosen-Sänger liest die Neufassung von ‚Peter und der Wolf‘ – in Hollywood. Pünktlich zum 80. Geburtstag der Geschichte im nächsten Jahr wurde die Handlung ins…

DIE TOTEN HOSEN – ‚Willkommen in Deutschland‘ auf sinfonisch

Zwei Jahre nachdem sich die Toten Hosen und das Sinfonieorchester der Robert Schumann Hochschule in Düsseldorf drei Konzerte dem Thema entarteter Musik widmeten, gibt es nun aus dem Düsseldorfer Lager positives zu vermelden. Die damals gefeierte Veranstaltung wird nun auch veröffentlicht und erscheint am 30.10.2015. Das Wort ‚Veröffentlichung‘ trifft es jedoch nicht richtig, vielmehr handelt…

JOEY CAPE – Neues Album im Stream

Noch vor Veröffentlichung seines neuen Albums ‚Stitch Puppy‘ war Joey Cape so nett und hat es bei den Kollegen von Visions als Stream zur Verfügung gestellt. So kann man bereits ein Ohr darauf werfen, bevor man sich dazu entscheidet, sich das Ding ins Regal zu stellen. Und wer doch eher auf visuelle Untermalung steht, der…

Stitch Puppy

Fünf Jahre nach seinem letzten Solowerk ‚Doesn’t Play Well With Others‘ legt Joey Cape nun seine nächste Platte vor. Hat sich bereits auf Lagwagons ‚Hang‘ schon eine gewisse Düsternis abgezeichnet, so fällt auch ‚Stitch Puppy‘ etwas finsterer aus.

Nagende Zweifel an einem Leben, das von Abschieden geprägt, ist mit der immerwährenden Frage, ob man Dinge vorhersehen hätte können (‚Me The Witness‘) setzten den musikalischen Pinselstrich ganz automatisch nicht in den Farbtopf, sondern in die Schattierungen zwischen Grau und Schwarz. Doch Joey Cape konnte diesen unvergleichlichen Tanz zwischen unfassbar traurigen Texten und wundervoll musikalischer Untermalung schon immer hervorragend als Punktlandung auf der Rasierklinge hinlegen. Diese Fähigkeit hat er auch auf ‚Gone Baby Gone‘ nicht verloren.

Neu ist der deutlich ausgeprägtere Einsatz von Klavier. Es ist nicht mehr nur die Gitarre, die er für seine Soloprojekte nutzt; die musikalische Vielfalt wird größer. Schmeichelnde Melodien und eine sich langsam ausziehende Ehrlichkeit in den Texten lassen in die Seele blicken.

Und so ist es mit ‚Stitch Puppy‘ ein wenig wie mit Chucky der Mörderpuppe: Im ersten Moment ist man irritiert von so einer düsteren Platte ausgerechnet dann, wenn sich der Sommer sowieso gerade verabschiedet, doch im Laufe des Hörens erkennt man, wie bunt auch der Herbst leuchten kann: hellorange, blutrot und strahlend gelb.