Stray Train – Das laute ‚Hell Yeah‘ aus dem Publikum

Richtig guter Bluesrock mit der dazugehörigen ehrlichen Portion Groove muss nicht zwangsläufig aus den USA kommen. Unlängst hat die slowenische Truppe Stray Train mit ihrem zweiten Album wieder einmal bewiesen, dass dieses ureigene amerikanische Genre weltweit beheimatet ist und wir Europäer nicht immer über den großen Teich schauen müssen, wenn es um kernige Bluesriffs und schmutzigen Rock'n'Roll geht. Wir haben im Interview etwas näher nachgehakt.


Das Debütalbum „Just ‚Cause You Got The Monkey Off Your Back Doesn’t Mean The Circus Has Left Town“ aus dem Jahre 2016 war ziemlich gut, stach aber auch wegen seines langen und etwas sperrigen Titel aus der Masse der Veröffentlichungen hervor. Die Platte erschien nur ein Jahr nach der Bandgründung 2015. Frontmann Luka Lamut erinnert sich: „Wir haben als reine Coverband angefangen und Blues- und Rocknummern gespielt. Wir hatten einmal pro Monat einen Auftritt in einem kultigen Rockclub in Ljubljana. Man darf aber sagen, dass die Dinge sehr schnell eskaliert sind.“ Luka Lamut und seine vier Kollegen, der Bassist Niko Jug, Drummer Viktor Ivanovic sowie die beiden Gitarristen Jure Golobic und Boban Milunovic hatten in kurzer Zeit das Material für ihr erstes Album geschrieben und die Platte in nur fünf Tagen aufgenommen. „Danach gab es kein Zurück mehr“, berichtet der Sänger. „Wir waren gleich mit der Platte auf Europatour und haben uns danach an das neue Album ‚Blues From Hell‘ gemacht.“

Stray_Train1.jpg „Auf der erfolgreichen Tour durften die Slowenen als Support für Genregrößen wie Kadavar und die Blues Pills spielen und bestritten in nur eineinhalb Monaten 41 Konzerte in 12 Ländern. Das deutsche Magazin „Rock It“ erklärte die Band zur „Blues Rock Entdeckung des Jahres 2016“. Im Frühjahr 2017 folgte eine zweite Tour mit einem hervorragenden Auftritt auf dem MotörCity Festival im slowenischen Tolmin.

„Wir haben niemals damit gerechnet, dass es so gut laufen würde“
, gesteht Frontmann Lamut. „Wenn uns vor zwei Jahren jemand gesagt hätte, dass wir eine große Europatour machen und zwei Platten aufnehmen würden, hätten wir ihn als Träumer tituliert. Aber das war unser Traum, und der ist Wirklichkeit geworden. Wir lesen natürlich immer gerne eine gute Kritik, aber keine Kritik kann das Gefühl ersetzen,  in einer proppenvollen Konzerthalle zu stehen und am Ende der Show das laute ‚Hell Yeah‘ aus dem Publikum zu hören.“

Stray_Train2.jpgStray Train bringen frischen Wind in das alte Genre, ihr unverbrauchter Stil vermischt gekonnt erdigen Rock mit Southern Blues und purem Rock’n’Roll. „Blues From Hell“ ist im November 2017 erschienen und macht da weiter, wo das Debüt aufgehört hat, setzt aber in Punkto Wiedererkennungswert, Groove und Punch noch eine Menge drauf. Die Band hat noch jede Menge zu zeigen, und wir stimmen Luka Lamut zu, wenn er sagt, dass man Stray Train am besten mit dem Wort „Ehrlichkeit“ beschreiben könnte. „Die findest Du in unseren Texten, im Sound und in unserer Verbindung untereinander.“

Musikalisch wird die Band oft mit Led Zeppelin oder auch Uriah Heep verglichen. Der Sänger fühlt sich geehrt, auch wenn diese Vergleiche nicht unbedingt direkt gewollt sind. „Man kann ja nicht einfach nein sagen, wenn man mit den ikonischsten Bands der 70er-Jahre verglichen wird. Wir haben bei Heading For The Sun nicht bewusst versucht, wie Led Zep zu klingen, aber es ist etwas in der Art dabei herausgekommen.“ Privat hört Luka Lamut jede Menge klassischen Rock: „Ich bin von King’s X begeistert, aber auch von Chris Stapleton.“

Das neue Album wurde – wie schon der Vorgänger – in Amsterdam aufgenommen. Am Mischpult saß Ronald Prent, der schon für Bands wie Rammstein und Depeche Mode gearbeitet hat. „Unser Gitarrist Bo hat das Studio und die Crew für unsere Alben ausgewählt“, verrät uns der Frontmann. „Er ist großer Fan von Ronald und dessen Arbeit. Wir haben das Album quasi live aufgenommen, alle Instrumente zur gleichen Zeit. Die Wiseloord Studios in Amsterdam haben dafür den nötigen Platz, die Ausrüstung und das musikalische ‚Mojo‘.“ Die Band ist mit dem Ergebnis sehr zufrieden. „Ronald hat sehr viel Erfahrung und ein feines Gefühl für Nuancen und Melodien. Er hat es geschafft, dass wir hart, aber dennoch melodisch klingen und hatte beim Mix immer im Hinterkopf, dass der Song das wichtigste ist. Heutzutage werden viele Platten ja so gemischt, dass die Vocals oder ein bestimmtes Instrument ganz vorne liegen. Wir wollten den Song selbst im Vordergrund haben, und Ronald hat das bestens bewerkstelligt!“

Vor den Aufnahmen zu „Blues From Hell“ stand natürlich das Songwriting, das bei den Slowenen immer gemeinschaftlich im Proberaum erfolgt. „Vocals, die Riffs, der Rhythmus, all das entsteht bei uns zusammen“, erklärt uns der Sänger. „Dabei spielt auch eine große Rolle, dass wir uns alle untereinander so gut verstehen.“

stray_train3.jpg „In den Texten könnte man im Song ‚Give It Away‘ eine zynische Abrechnung mit den USA und der Politik Donald Trumps sehen. Aber Luka Lamut relativiert: „Eigentlich ist der Song eher allgemein an alle Politiker gerichtet.“ Im Song ‚Emona‘ liefern die Slowenen zudem ein Tribut ab an die Hauptstadt ihres Landes, Llubljana – ihre Heimatstadt. „Zur Zeit der Römer hieß Llubljana Emona. Es machte für uns Sinn, auch im Bezug auf den Songtext, die Stadt Emona und nicht Llubljana zu nennen, wie sie ja jetzt heißt. Das ist nicht zu verwechseln mit der Stadt Emona in Bulgarien.“

Für das kommende Jahr haben Stray Train natürlich auch schon Pläne. „Wir wollen einfach weiter gute Musik machen und sie in Eurer Nähe live spielen!“ Die Band möchte schnellst möglichst nach Deutschland zurückkommen und hofft, unsere Leser dann live begrüßen zu können mit dem Blues From Hell. Wir bedanken uns für das kleine Interview und wünschen dem Quintett alles Gute für die Zukunft. Nach zwei starken Alben sind wir sicher, dass wir noch viel von Stray Train hören und sehen werden. Hell yeah!

Interview und Übersetzung: Michael Buch
Fotos: Nika Brunet

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