Realms of Odoric

Second Age

  • Artist: Realms of Odoric
  • Album: Second Age
  • Label: MDD Records
  • Release: 2016-12-14
  • Medium:
  • Bewertung:2+

Wer zum Geier ist Odoric? Und wo liegen seine Reiche? Eine einfache Antwort darauf gibt es nicht. In Belgien. Im Rheinland. Aber eigentlich auf den Schatteninseln. Odoric ist ein mystischer Krieger, der als Deux Ex Machina im Zentrum der Fantasygeschichte „The Wall of Doom“ steht, dessen Grundidee der bekannte belgische Metal-Artwork-Künstler Kris Verwimp sich bereits Mitte der 1980er Jahre erdacht hat. 1996 erschien eine Graphic-Novel, die Verwimp mit dem Co-Autoren Filip Keunen selbst veröffentlichte. 2013 kam Verwimp auf Arkadius Antonik (den Bandleader der deutschen Melodic-Death-Folk-Band Suidakra) zu, um „sein Baby“ zu vertonen. Und so gelangte die Geschichte von Odoric schliesslich ins rheinische Monheim, wo Antonik lebt und arbeitet. Antonik komponierte einen gänzlich metallfreien, instrumentalen Soundtrack als Nebenprojekt seiner Metalband Suidakra.

Das selbstbetitelte erste Album erschien als reines Studioprojekt 2015, Verwimp lieferte die künstlerische Illustration in einem 28-seitigen A5-Booklet. Nun liegt mit „Second Age“ der zweite Teil der noch lange nicht abgeschlossenen Geschichte vor, zu dem dieses Mal ein 80-seitiges A4-Buch mit Bildern von Verwimp gehört. Dazwischen hat Antonik das Thema in diesem Frühsommer sogar mit Suidakras zwölftem Album „Realms of Odoric“ (dieses Mal mit Stromgitarren und Gesang) vertieft, ohne die eigentliche Handlung weiter zu erzählen.

Ein Metalmusiker also, der anstatt Metal einen Soundtrack komponiert und ein Illustrator, der statt Metal-Artworks seine selbst erdachte, epische Fantasygeschichte illustriert. Doch wer sind die Musiker bei Realms of Odoric? Im Gegensatz zum Vorgänger, der komplett digital erschaffen wurde, konnte Antonik für „Second Age“ eine illustre Auswahl an klassischen Musikern verpflichten. Neben etlichen internationalen Solisten an Violine, Cello, Oboe, Harfe und Flöte ist auch das 66-köpfige Brandenburgische Staatsorchester sowie das Budapest Film Orchestra auf dem 44-minütigen Fantasy-Soundtrack zu hören. Und das gibt der ganzen Sache natürlich ordentlich Würze und klingt so nochmal um einiges dramatischer und organischer als der bereits gelungene Vorgänger. Auch musikalisch ist das Album nochmals vielseitiger und zeigt die Reifung von Antonik als Komponisten, der in der Zwischenzeit auch ein Kompositions-Studium abgeschlossen hat. Eine ganz klare Steigerung in jeder Hinsicht!

„Second Age“ beginnt mit jener Schlacht, die bereits zu Beginn des Vorgängeralbums wie ein Damoklesschwert über der dramatischen Fantasy-Geschichte hängt. Mit deutlich mehr Illustrationen kann man sich zu den Klängen des Auftakts ‚Odoric Overture‘ in die wunderbaren Bilder von Verwimp vertiefen. Odorics Sohn Alaric wird abseits der Schlacht von den Schergen des grausamen Magierkaisers Pisces-Ra gefangen genommen und entführt, der namensgebende Held der Geschichte fällt in der finalen Schlacht. Während er über Jahre zu einer Legende verblasst, hebt eine Rebellion der überlebenden Verbündeten von Odoric an, die Schatteninsel zurück zu erobern. Doch natürlich sind auch im zweiten Teil der Geschichte Tränen und Verlust nicht weit von Blut und Ehre entfernt. Aber womöglich stimmen ja die Legenden um Odoric über die Eroberung des Schlangenturms? Mit dem zauberhaften ‚Aenea‘ gibt Arkadius Antonik den Liebhabern seines Projekts einen vielversprechenden Ausblick auf die Fortsetzung „Third Age“.

Vorausgesetzt, man kann mit instrumentaler Soundtrack-Musik etwas anfangen, kriegt man hier ein wunderbares audiovisuelles Erlebnis direkt nach Hause geliefert. Das mag nicht jedermanns Geschmack sein, aber ehrlich: In Zeiten von „Herr der Ringe“ und „Game of Thrones“ und dem Aufstieg von sowohl Graphic Novels als auch Netflix & Co ist doch heute jeder ein potentieller Fantasy-Konsument. Wenn da ein künstlerisch so hochwertiges Projekt keine Berechtigung hat, wann dann? Zumal es wirklich hervorragend umgesetzt ist und sehr viel Leben in sich hat. Das Album ist wie bereits der Vorgänger als CD nur über den Onlineshop des Labels MDD und wenige ausgewählte Einzelhändler erhältlich. Bis Weihnachten auch in einer limitierten Sammler-Edition, danach in einer Standard-Edition mit oder ohne Buch.

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