Karfagen

Messages From Afar: First Contact

Aus der Ukraine fallen mir jetzt erst mal nicht allzuviele Bands ein – um genau zu sein, gar keine außer dem selbsternannt „wilden“ Grand-Prix-Schnuckel Ruslana und eben Antony Kalugins Karfagen, ein Progprojekt, das mit „Messages From Afar: First Contact“ nun schon das meines Wissens neunte Studioalbum vorlegt.

Karfagan erfüllen dabei alle Ansprüche und Vorurteile, die man bei von Keyboardern geführten Progbands so hat. Ja, das Album ist größtenteils instrumental, und neben klassischen Prog- und Neoprogsounds gibt es eine ganze Menge elektronischer Einflüsse. Und ja, vornehmlich geht es auch hier eher ruhig und sehr melodieverliebt zur Sache. Fans von Rick Wakemans Achtziger-Phase, Totos „Dune“-Soundtrack oder Don Aireys „K2“-Album werden sich hier sofort zuhause fühlen. Aber auch Fans der Gilmour-geführten Pink Floyd könnten aufgrund der entspannten Atmosphäre, vieler schwebender Kompositionen und gelegentlich auftauchender, sehr floydiger Saxophoneinsätze hieran durchaus Gefallen finden. In den rockigeren Momenten (‚Volcano Rabbit And The Frog‘) erinnert das Ganze auch gerne mal an die weniger metallischen Momente von Ayreon, wobei die Folkeinflüsse, die auf den bisherigen Karfagen-Alben zu hören waren, diesmal weitestgehend in der Kiste bleiben. Dafür erinnern die Leadgitarren des seit 2014 im Lineup befindlichen Max Velychko auf angenehme Weise an die sahnigen Melodien von Joe Satriani zu „Surfing With The Alien“-Zeiten, abgeschmeckt mit ein wenig Fusion-Flair. Sein Rhythmusspiel hingegen zitiert gelegentlich die Gamelan-Gitarren der Achtziger-Phase von King Crimson, was man ja auch nicht alle Tage hört. Tatsächlich stiehlt Max seinem Boss hier nicht selten ein wenig das Rampenlicht. Einziger wirklicher Kritikpunkt ist, dass bei all diesem Schönklang gelegentlich einmal die Grenze zum New-Age-Genre überschritten wird und manche Passage, beispielsweise im 15minütigen Rausschmeisser ‚Constant Flow‘ gar nach Fahrstuhl- oder Mobilfunkanbietertelefonhotlinewarteschleifenmusik klingt.

Das Album ist mit Sicherheit nichts für moderne Heavy-Progger, auch Siebziger-Retro-Verfechter werden sich hiermit schwer tun. Das hier ist über weite Strecken eben sehr entspannter und purer Achtziger-Sound, aber deswegen keineswegs schlecht. Wer mit den oben genannten Acts etwas anfangen kann oder gelegentlich auch mal einen Sylvester Levay-Soundtrack auflegt, darf sich bei „Messages From Afar: First Contact“ über ein gutes Album freuen, dem lediglich das i-Tüpfelchen, der musikalische Oberhammer fehlt, der das Ganze von „gut“ zu „toll“ hochstuft. Die Fortsetzung von „Messages From Afar“ wird übrigens von Kalugins Zweitband, den songorientierteren Sunchild kommen – etwas eigene Veröffentlichungspolitik, aber sei’s drum, hier geht’s erst mal um den „First Contact“, und den kann man auch dank der gelungenen Produktion durchaus empfehlen. Noch dazu ist das aufwändige Digipack dank eines feinen, an Ayreon erinnernden Artworks auch einfach schön anzusehen – und das Auge isst ja doch immer mit, oder? Zu beziehen bei Just For Kicks.

SaschaG

Verteidiger der uncoolen Musik: AOR, Symphonic Prog, Hardrock, Thrash- und Achtziger-Metal, Stax/Atlantic und Mainstream-Rock. Süchtig nach BBC-Serien und schrägem Humor. Findet, dass "Never Let Me Down" nur das viertschlechteste Bowie-Album ist und "Virtual XI" besser als alles, was Iron Maiden danach gemacht haben. 

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