Droneburg Festival VIII: Düsteres Grollen unter der Hamburger Sternbrücke

Im Bermuda-Dreieck aus Astrastube, Bar 227 und Fundbureau unter der Hamburger Sternbrücke sammelt sich die Gemeinde an einem schönen April-Samstag, um sich einer der düsteren Seiten harter Gitarren-Musik zuzuwenden. Die achte Ausgabe des Droneburg Festivals hat für diese Gelegenheit genau die richtigen Kapellen, ein dreckiges Dutzend, eingeladen und drei Clubs gechartert, die kurze Wege und durchaus Festival-Flair bieten.

1_LLNN.JPG „Gegen 19:00 ist der Fußweg vorm Fundbureau bereits gut gefüllt, die Merch-Stände werden abgecheckt, kühle Getränke geordert und auf die ersten tiefen Töne gewartet. Für diese sind Treedeon verantwortlich, die neue Combo von Yvonne (ex-Jingo-De-Lunch) an den vier tiefen Saiten und Arne (ex-Ulme) zusammen mit Trommler Andy. Die mächtigen Schallwellen ihres doomigen Stoner-Rocks lassen Jeans-Kutten und Schlaghosen flattern, so dass schnell klar ist, was das Motto des weiteren Abends sein wird: Drone! Eine gute halbe Stunde lang zelebriert das Trio Feedback und tiefe Töne und man ist überrascht, beim Location-Wechsel noch Tageslicht vorzufinden. Zeitgleich spielen Father Sky Mother Earth in der Astra Stube und Peter Wolf in der Bar 227, auf dem die Kopenhagener Blackened-Hardcore-Formation LLNN den Schankraum in wütende und trotzdem stimmungsvolle Vibrationen taucht. Dem schwerfälligen Hardcore mit den dramatischen Keyboard-Klängen kann man sich nur schwer entziehen. Alle Anwesenden bewegen sich im Takt und genießen es, mehr als nur eine Breitseite gut temperierte Wut um die Ohren gehauen zu bekommen. Mit Sicherheit sind LLNN nach den 35 Minuten bereits eines der Highlights an diesem Abend.

2_Red_Apollo.JPG „Wer sich sputet und die Hinweise auf den Ampeln der Sternbrücken-Kreuzung ignoriert, kommt noch in den Genuss der atmosphärischen Schallwellen von [BOLT], die der kreuzenden S-Bahn über der Astra-Stube ebenbürtige Konkurrenz machen. Die instrumentalen Kreationen spiegeln passend die abendliche Dämmerung in Hamburg wieder. Die Dunkelheit verdrängt die letzten Sonnenstrahlen. Im Anschluss präsentieren die Dortmunder Red Apollo durchdachten und emotionalen Post Metal, deren aktuelles Album „The Laurels Of Serenity“ eine Zierde des Genre ist. Die komplexen Songs zaubern allen Fans ein zufriedenes Grinsen in die Gesichter, wobei ein bisschen mehr Phon der Zufriedenheit eine meditative Tiefe verliehen hätte. Trotzdem lässt die Dreiviertelstunde einen die Welt außerhalb der Astra-Stube vergessen. Red Apollo sind ein weiteres Highlight in einem hervorragendem Billing.

Die Belgier Hemelbestormer kommen gut ohne Vocals aus, dafür aber mit umso mehr Stimmung. Der Zeitplan hängt im Fundbureau inzwischen ein wenig hinterher, aber Zeit spielt an diesem Abend eh eine untergeordnete Rolle. So nehmen Hemelbestormer einen auf eine 45-minütige Reise durch Zeit und Raum, sowohl musikalisch als auch visuell. Dank der drei Clubs und dem Merch-Dorf im Fundbureau kommt wahrhaftige Festival-Stimmung auf. Es wird Bier getrunken, sich unterhalten, Shirts und Tonträger erworben und coolen Bands bei der Arbeit zugeschaut, so dass die Übergänge fließend sind, wie in einem Taumel. Nachdem UR im letzten November bereits ihren aktuellen Longplayer im Fundbureau debütiert hatten, dürfen sie dieses Mal die Bar 227 in ihren Grundfesten erschüttern. Eine gute Stunde lang steigern die Leipziger ihre Kompositionen langsam aber nachgiebig von einem Mahlstrom zum nächsten. Was auf Vinyl ein wenig verhalten rüber kommt, bricht sich auf der Bühne ungezügelt sein Bahnen. UR sind zu Recht Headliner in der Bar 227 und beenden das musikalische Treiben dort.

3_UR.JPG „Räudig und böse erledigen Bison im Fundbureau ihren finalen Job. White-Trash auf Hamburger Boden. Das Quartett aus Vancouver schlägt dermaßen über die Stränge, dass selbst professioneller Hörschutz die Segel streichen muss. Bison leben ihre schlechte Laune in vollen Zügen aus und haben sichtlich Spaß dabei, wobei sie dabei den Anti-Helden von Antiseen bedrohlich nahe kommen. So langsam macht sich Aufbruchstimmung breit, die ersten Bands reisen ab, der Konzertraum leert sich. Unglaublich, es ist schon deutlich nach 2:00 Uhr. Aber wie bereits erwähnt: Zeit zählt auf dem Droneburg nicht. Alles was zählt, ist die Dunkelheit und massive Schallwellen.

Text: Kristian „habi“ Habermann
Fotos: Christian Zimmermann

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