Kategorie: The 1975 – A Brief Inquiry Into Online Relationships

„The UK’s most exciting band“

Diesen Titel trägt The 1975 seit einigen Monaten, geht es nach dem Q-Magazin. Was steckt dahinter? Wieso sollen andere Gruppen wie Bastille oder Mumford And Sons weniger exciting sein? Und was meinen die überhaupt mit diesem Adjektiv?

exciting = erstaunlich, interessant

Selten wurden so ernste Themen angesprochen wie diesmal. „Love It If We Made It“ rechnet mit zahlreichen gesellschaftlichen Problemen wie der Umgang mit Flüchtlingen auf politisch-nationaler Ebene, das Verdrängen von religiösem Glauben durch die Moderne, Mediengeilheit oder Donald Trump ab. Matthew Healy schreit dabei auf einem konstanten Rhythmus und Ton mit solch einer Inbrunst und Wut seine Passagen, dass es wohl nur bei ihm so fesselnd klingen kann, wo doch die Melodie quasi nichts hat. Etwas später erzählt in „The Man Who Married A Robot“ eine Art Computerstimme zu ruhiger Backgroundmusik, wie die Beziehung zwischen dem einsamen Ich und dem Internet immer stärker wird, bis man sich vollkommen öffnet und alles preisgibt. Ein Weckruf gegen Plattformen wie Facebook, Whatsapp und Co.

exciting = aufregend, spannend

Aufregend ist tatsächlich der Anfang von „A Brief Inquiry Into Online Relationships“. Selten wollte ich so früh abschalten beim Rezensieren wie hier: nach dem Intro ertönt mit „Give Yourself A Try“ der nervigste Song des Jahres. Healys Stimme klingt unnatürlich hoch, schmal und dünn. Der Elektro-Pop scheint uninspiriert und dahingeklatscht. Und das schlimmste ist das Synthie-Motiv. Es handelt sich hierbei um einen penetranten Wechsel zweier Töne. Alles übertönend. Ohne Pause. Über drei Minuten. Gott sei Dank bleibt es bei diesem einzigen negativen Aufreger, denn ansonsten bleibt sich The 1975 ihrem Sound treu, auch wenn immer wieder Ausflüge in andere Genre wie Soul, Jazz oder Latin gewagt werden.

exciting = erregend

Dass Matty zahlreichen Mädchen und jungen Frauen den Kopf verdreht, ist nicht unbekannt. Dies passiert nicht bloß auf Konzerten mit seinem häufig shirtlosen Auftreten, sondern auch mit dem Gesang. Markant sexy kann er tiefe Lagen genauso ins Ohr des Hörers Flüstern wie emotional in die Höhe ausbrechen. Das war bei „Robbers“ und „Woman“ vor fünf Jahren so, das war bei „UGH!“ und „If I Believe“ vor zwei Jahren so. Und das hört man auch hier erneut mit Songs wie dem souligen „Sincrety Is Scary“ oder bei „Inside Your Mind“ mit Slow-Mo-Gesang. In „Mine“ trauen sie sich erfolgreich an weichen Lounge-Jazz, welcher den Hörer vor einen brutzelnden Kamin mit einem Glas Rotwein in der Hand versetzt.

 

Tatsächlich kann man dem Q-Magazin Recht geben mit ihrer Behauptung. The 1975 sind reifer geworden, haben letztlich das gesamte Album selber produziert und sich künstlerisch noch stärker ausgetobt als beim Vorgänger. Und im Mai soll schon der vierte Streich folgen. Wir sind ebenfalls excited.

Raven

Screaming Murder Death From Above: Live In Aalburg

Die Energie eines Raven-Gigs muss man einfach selbst erlebt haben. Worte können es gar nicht ausdrücken, welch ein Energie- und Hektik-Level von den einzig wahren Gallagher-Brüdern auch fast 40 Jahre nach Release der „Don’t Need Your Money“-Single auf der Bühne freigesetzt wird. Das aktuelle Livealbum „Screaming Murder Death From Above: Live In Aalborg“ gibt aber…

Magnum

Live At The Symphony Hall

Es ist so sicher wie das „SLAYEEEER!!!“ auf dem Festival: nach jedem Magnum-Studioalbum folgt ein Jahr später entweder eine Compilation oder ein Livealbum. Nachdem 2016 die „Valley Of Tears“-Balladensammlung dran war, ist also nun wieder Zeit für einen Konzertmitschnitt. Unabhängig vom üblichen Release-Schedule macht „Live At The Symphony Hall“, welches das Abschlusskonzert der letzten Europatour…

Dirty Streets

Distractions

Bock auf eine zünftige Mischung aus Humble Pie, Free, Hendrix, James Gang und einem Schuss Grand Funk Railroad? Bitteschön! Die Amerikaner Dirty Streets liefern auf ihrem fünften Album „Distractions“ ein Album mit enorm launigem Rhythm’n’Blues-infizierten späte-Sixties-bis-frühe-Seventies-Hardrock ab, der so ziemlich jeden Fan oben genannter Bands abgehen lassen dürfte wie Schmidts Katze. Vom eher zu einer…

The Neal Morse Band

The Great Adventure

Nein, Neal Morse wird es nicht langweilig. Sein Soloalbum „Life And Times“ ist kaum ein Jahr her, und schon hat er mit seiner Neal Morse Band ein neues Doppelalbum fertigestellt. „The Great Adventure“ ist dabei in jeder Hinsicht zur Fortsetzung des vor zwei Jahren erschienenen Albums „The Similitude Of A Dream“ geworden. Musikalisch, personell und…

Head With Wings

From Worry To Shame

Head With Wings sind ein amerikanisches Postrock-Projekt, das sich der Frage widmet, was passiert, wenn man besagten Postrock mit traditionellen, Americana-beeinflussten Singer/Songwriter-Klängen vermischt. Da der Postrock ja selbst durchs heftige Crossovern des Alternative Rock mit Prog, Elektronik und Avantgarde entstand, war es nur eine Frage der Zeit, bis jemand auf genau diese Idee kam. Was…

Anthony Gomes

Peace, Love & Loud Guitars

Ja, Joe Bonamassa ist auch 2018 der Überflieger schlechthin, wenn es um den Blues geht. Der Mann mit seiner unglaublichen Präsenz auf Bühnen, im Netz und bei der schlichten Menge der hochkarätigen Veröffentlichungen hat hart für den Erfolg gearbeitet und ihn verdient. In den zweieinhalb Jahren, die (der leider immer noch) Geheimtipp Anthony Gomes seit…

The Damn Truth

Devilish Folk

Retro ist ja bekanntlich derzeit ziemlich angesagt, und heute möchten wir euch einmal The Damn Truth aus Kanada vorstellen. Die sind gar nicht so richtig retro, klingen aber wie eine elektrisierende Mischung aus Robert Plant und Janis Joplin, und ihr zweites Album „Devilish Folk“ ist bereits am 08. Juli 2016 erschienen. Wir hatten die Band…

Moongarden

Align Myself To The Universe

Die Italiener Moongarden gehören nun schon seit Mitte der 1990er zur zweiten Reihe im Progzirkus, in der sich auch Bands wie Glass Hammer oder bis vor kurzem Big Big Train tummelten: Bands, die eigentlich durchweg gute Alben veröffentlichten, aber nie so richtig den Sprung zu den Genre-Helden wie Spock’s Beard, The Flower Kings, Marillion oder…

Emigrate

A Million Degrees

Was lange währt….. wird endlich gut. Oder auch nicht, denn die Fertigstellung von Emigrates neuem Album währt für die Verhältnisse eines Perfektionisten eigentlich gar nicht lang, trotz der unendlichen Geschichte seiner Entstehung. Eigentlich sollte das Dritte Album ein direkter Nachfolger zu „Silent So Long“ werden und nicht einmal ein Jahr später das Licht der Welt…

Def Leppard

The Story So Far – The Best Of

Eine Def-Leppard-Best-Of, die die komplette History der Band bis heute erzählt? Klingt nach einem diskussionsfreien Ideal-Weihnachtsgeschenk für alle Classic-Rock-Interessierten. Denn mit Ausnahme von Bon Jovi hat kaum eine im weiteren Sinne als „Hardrock“-Band zu kategorisierende Combo einen derart enormen Mainstream-Hitkatalog aufzuweisen wie die Hookline-Maschine aus Sheffield. Da ist es überhaupt kein Problem, zwei CDs randvoll…