Johanna S.

THE STAVES – Zweites Album der drei Schwestern

‚Sie sind die beste Gruppe von Live-Sängerinnen, die ich je gehört habe‘. Verheißungsvolle Worte von Justin Vernon, besser bekannt als Bon Iver, über seine drei Schützlinge von The Staves. Am 30.01.2015 veröffentlicht besagtes Schwestern-Trio sein zweites Album ‚If I Was‘. Produziert von, na klar, Justin Vernon. Die erste Single zur kommenden Platte heißt ‚Blood I…

KITTY, DAISY & LEWIS – Neues Album ‚The Third‘ und Tour im nächsten Jahr

Drei lange Jahre hat es gedauert, nun soll im Januar endlich das dritte Album der Londoner Geschwister Kitty, Daisy & Lewis erscheinen. Im eigens umgebauten Studio in Camden arbeitete der multi-instrumentale Durham-Clan am Nachfolger von ‚Smoking in Heaven‘. Erstmalig suchten sich die Drei Unterstützung bei der Produktion und holten Langzeitfan Mick Jones (The Clash) mit…

(409)

Jung und rotzfrech kommen sie daher, die drei Texaner aus Beaumont. Mit viel Spiel, Spaß und Alkohol zimmerten Purple beim Jammen ihr erstes Debüt. Dazu eine gehörige Schippe Punk und Rock’n’Roll, die ihre kurzen Popsongs zu einer aggressiven Rebellion macht. Gegründet vor schon fünf Jahren von Gitarrist Taylor Busby und Drummerin Hanna Brewer, veröffentlichen Purple nun ihre kurz-knackige Kampfansage. Ein Album das aus jedem Akkord nur so vor überflüssiger Energie strotzt, die dringend einen Weg nach draußen sucht. Unterstützung kam dabei von Chris Frenchie Smith (…And You Will Know Us By The Trail Of Dead und Jet), der Purple im Studio von El Paso zur Seite stand.

In jedweder Form wird dem Punk alle Ehre gemacht: Sie trinken, sie schreien, sie sind laut. Purple liefern sich ein wahres Festspektakel, abwechselnd donnern Taylor und Hanna ihre Lyrics ins Mikrofon, verrennen sich in hämmernden Drumläufen und wilden Gitarrensoli. Der dritte im Bunde, Bassist Tyler Smith, schafft es kaum gegen diese zwei Powermaschinen anzukommen. Nach längerem Hören mag man den drei Texanern nur einen Ratschlag geben: einfach mal auf die Bremse treten.

Purple liefern hier einen rotznäsigen Schrei über 30 Minuten, der wenig Zeit zum Atmen lässt. Ab und zu kommt es dann doch einmal vor, dass Songs wie ‚New Born‘ aus dem Chaos emporkriechen und Drummerin Hanna Brewer ihre Stimme in Karen O-Manier in den Vordergrund schiebt. Diese Momente sind leider viel zu rar und so wird schlussendlich einfach weitergewettert.

Der poppige Punkwind kommt mit seiner Alles-ist-mir-Egal-Einstellung zwar anfänglich cool und selbstbewusst rüber, so verliert die Platte doch ziemlich schnell ihren Reiz. Sowohl musikalisch als auch lyrisch kratzt sie eher an der Oberfläche. Beim Hören fällt nicht zwangsläufig auf, dass gerade ein neuer Song begonnen hat – eher versammelt sich eine halbe Stunde Ekstase dreier junger Erwachsener, die ihre Punk-Attitude komprimiert auf eine Disk gepresst haben. Ihrer anscheinend größten Inspirationsquelle, dem Alkohol, widmen sie nicht nur gleich einen Song (‚Liquor‘) er ist allgegenwärtiger Freund und Begleiter.

‚Maybe I just go to the beach and drink some more booze / Oh baby I think I’ll join you.‘

Fairerweise ist den Dreien zuzugestehen, dass hinter manchen Songs der dreckigen Punkfassade noch einiges brodelt. In dem schimmernden ‚Wallflower‘ sind durchaus Vergleiche mit den White Stripes in jungen Jahren zu ziehen. Auch ‚Head on the Floor‘ begeistert vor allem durch die coolen Riffs Taylor Busbys und dem finalen Spannungsaufbau. All diesen Bemühungen Beachtung geschenkt, ist Purple mit ‚(409)‘ durchaus ein nettes Debüt gelungen. So ganz will der Funke trotzdem nicht überspringen. Weniger ist eben doch manchmal mehr.

The Other I

‚Sister of my soul, my second self‘

– inspirierende Worte, fanden auch Colette und Hannah Thurlow während der Entstehung ihres neuen Albums. Und so war es der romantische Literat Percy Shelley, der den zwei Schwestern aus der Seele sprach und ihnen dazu verhalf ‚The Other I‘ zu schaffen – eine Ode an das Schwesternsein, ihr anderes Ich – die Beziehung zueinander und große Inspirationsquelle für den Albumtitel. Eingeschlossen in ihre eigene Welt, die Zimmerböden in London und Paris als Schreibbühne, verbinden Hannah und Colette erneut ihre mal leichten, mal schweren Gitarrenklänge und großen Stimmen, ihre Gedanken und postmodernen Texte zentriert in alltäglicher Angst für das Neue, Unerreichbare und die Ungewissheit einer ganzen Generation. Musikalisch bleiben sie auf bekanntem Terrain, lassen es sich aber nicht nehmen einen Schritt nach vorn zu wagen. So klingt ‚The Other I‘ größer, schwerer, imposanter, ohne dabei die düstere, minimalistische Atmosphäre zu verlieren, die 2:54 schon auf dem selbstbetitelten Vorgänger kreierten.

Bereits der Opener ‚Orion‘ setzt einen fulminanten Auftakt, der Großes verspricht: ein schwerer Bass, akzentuiertes Gitarrenspiel und ein düsterer Synthie-Teppich tragen Colettes Stimme behutsam über viereinhalb Minuten, die anfangs an 80er Hymnen à la The Cure erinnern. Der Maßstab wird hoch gesetzt, so freut es umso mehr, dass jeder Titel nahtlos anzuknüpfen scheint.

Die schweren Bässe, treibende Drums, die Liebe zum Detail und die harmonischen Gesänge werden dabei das große Merkmal des zweiten Werks der Schwestern: Sowohl auf der bereits veröffentlichten Single ‚Blindfold‘ als auch auf dem aggressiven ‚Crest‘ ist es Drummer Alex Robins, der den Songs das gewisse Etwas verleiht – seine Rhythmen sind der Motor für die rennenden Bass – und die dazwischen stechenden Gitarrenläufe Hannah Thurlows. Sie zimmert den romantisch-schaurigen Werken eine unglaubliche Spannung und gibt ihrer Schwester Raum für die hypnotisierenden Gesänge. Wie ein Echo aus weiter Ferne säuselt Colette von der Angst und der Alienation, wirft Fragen unbeantwortet in den Raum:

‚Will it ever leave me alone?‘

‚No Better Prize‘ avanciert durch die harmonische Verbindung so vieler einzelner Rhythmen und Gitarrenkänge zum Highlight der einstündigen Platte – gerade dann wenn aggressive Riffs durch die Stille schlagen.

Zwei musikalische Ausnahmen entschleunigen von der Intensität des Gesamtwerkes. Leicht und zerbrechlich erklingen allein die süßen Stimmen auf ‚Tender Shoots‘ und stimmen fast im Kanon verloren ihre Melodie an. Ein ungewohnt kurzer Song für 2:54, der auf einer Kurzgeschichte Colettes basiert. ‚The Monaco‘ präsentiert sich als eine kleine erfrischende Pause im Düsterwald mit akustischen Gitarren, einem poppigerem Sound und der großen Sehnsucht für die Ferne.

Einzig zum Schluss verliert das Album ein wenig an Intensität. Auch wenn sich ‚South‘ und ‚Glory Days‘ in die Atmosphäre des Albums einbauen, entsteht eine unnötige Länge, die dem Longplayer einen kleinen Abbruch verleiht. Umso überraschender wird man durch das schaurige ‚Raptor‘ aus der Hypnose gerissen und mit den hallenden Rufen Colettes in den Sog der treibenden Rhythmusgruppe hineinkatapultiert.

‚Calling / I’m calling / I can hear it‘

Sie rufen uns, die Zwei, und ziehen uns noch tiefer in ihren Bann.