THE DAMNED – A Night Of A Thousand Vampires

Live-Konzert-Mitschnitte, einst auf VHS, dann auf DVD, jetzt auf Blue-Ray-Disc oder auf Abruf im Netz, die Geschichte dieser Form des Konsums von Musik, die einen aus dem Häuschen bringt, ist eine kontrovers diskutierte. Für wahre Fans gibt es nur das Live-Konzert im Club, in der Halle oder der Arena. Andere sehen darin eine Art Erinnerung an ein besuchtes Live-Event. Und dann gibt es legendäre wie kunstvoll inszenierte Live-Aufnahmen aus der Konserve. Zu letzterer Kategorie gehört zum Beispiel Ministrys „In Case You Didn’t Feel Like Showing Up“, das mit einer umfangreichen, stylischen Post-Produktion zu einem Augenschmaus gemacht wurde. Ein Erlebnis für Augen und Ohr ist auch die künstlerisch aufwendig in Szene gesetzte Aufführung, die die Punk-Urväter The Damned 2019 im Londoner Palladium aufgeführt haben. „A Night Of A Thousand Vampires“ (earMUSIC) ist eine Hommage an die Hammer Studios, an Ed Wood, Russ Meyer und zeitlosen Punkrock, dessen 1. Gesetz ist, dass es gar kein solches gibt. Punk darf vieles, Dave Vanian, Captain Sensibel, Monty Oxymoron, Pinch und Paul Grey alias The Damned dürfen noch viel mehr.

Nosferatu ist eine Punkrocker

Mit Sicherheit wird es Diskussionen darüber geben, ob ein solches Event überhaupt Punk ist. Wer definiert aber, was Punk ist? The Damned auf jeden Fall, auch wenn sie für einen Abend den Punkrock, die ätzenden Kommentare in Richtung ihrer alten Weggefährten, vor allem Malcolm MacLaren und den süffisanten Humor, den sich für sich selber reservieren, hinter sich lassen. Dafür beschwören sie die klassischen Gothic-Horror-Movies mit den ständig vernebelten Straßen, den Freaks, den barocken Kostümen und der unheilvollen Stimmung. Als eleganter Gentleman führt Frontmann Vanian durch ein Programm aus ruhigeren, düsteren Songs aus allen Epochen der Bandhistorie. Angefangen mit Klassikern wie ,Wait For The Blackout‘ und ,Plan 9 Channel 7‘ bis hin zu neuen Songs vom letzten Album „Evil Spirits“ wie das beeindruckende ,Standing On The Edge Of Tomorrow‘ bis zu einer opulenten Version von ,Eloise‘.

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Adäquat eingekleidet für solch ein Happening lässt der Fünfer düstere Welten aufleben, in der die Ausgestoßenen der Gesellschaft ihre akrobatischen oder musikalischen Künste darbieten können. So Klischeehaft dies klingen mag, The Damned schiffen auf ihre eigene Art und Weise an Peinlichkeiten auf der Bühne vorbei. Die Show ist mitnichten perfekt, sie hat genug Punkfaktor, Fuck-ups, Lacher und kuriose Szenen. Wer kann sich schon vorstellen, wie Nosferatu inbrünstig und wild tanzend den Punk-Klassiker ,Neat Neat Neat‘ intoniert? Oder ein Geigen-Duell auf einem Punk-Konzert, das das Publikum frenetisch bejubelt? Oder Rockstars, die ihre Fans hautnah in das Spektakel mit einbeziehen? Oder eine Band, die sich mit einer Kutsche zum Etablissement durch London chauffieren lässt? „A Night Of A Thousand Vampires“ hat viel zu bieten für einem entspannten Gruselabend.

Frankensteins Monster war auch nicht perfekt

Selbstverständlich fahren die Verdammten jedes Klischee, das Fans und Skeptiker sich ersinnen können, schamlos auf. Ein Gitarrist, der sich eher als Jimmy Page geriert als drei stumpfe Akkorde raus zu hauen und Slide Gitarre mit einer Bierdose spielt, ein eigenes Streichorchester, sexy tanzende Vampire und ein Sarg, in dem am Ende des Sets Mr. Vanian verschwindet – welch kindischen Unsinn können sich gesetzte Herren noch ausdenken? Nur The Damned können und dürfen dies – wiedermal von einer modischen Sünde Captain Sensibles getoppt. Selbst vor einem The Doors-Cover machen The Damned nicht Halt. ,People Are Strange‘ ist dabei sogar besser gelungen als die bisherigen Versuche. Aber selbst Dr. Frankenstein hat das Monster nicht an einem Tag erschaffen.

„A Night Of A Thousand Vampires“ ist ein Erlebnis, das einen feuchtfröhlichen Abend bescheren kann, aber auch zurecht den Widerwillen von Die-Hard-Punks auf sich zieht, von ihnen bespuckt wird. Genau das ist Punk! Auf Konventionen scheißen! Machen, wozu man Lust hat! Bei The Damend ist das dieses Mal ein Abend mit Geistern, Freaks, Untoten, Monstern und Blutsaugern. Das Ambiente dieser Show wird passend zum Thema mit surealitisch knallbunten Bildern, ruhigen Schnitten und auch schrägen Blickwinkeln eingefangen. „A Night Of A Thousand Vampires“ ist ein Meisterwerk im Sinne von „Faster, Pussycat! Kill! Kill!“, „Plan 9 from Outer Space“ und „The Brides of Dracula“, bzw. „Gothic“ oder „Sleepy Hollow“. In Punk Moll selbstverständlich!

Tracklist „A Night Of A Thousand Vampires“
01. Beaty Of The Beast
02. Wait For The Blackout
03. Plan 9 Channel 7
04. Standing On The Edge Of Tomorrow
05. Grimly Fiendish
06. Dr Jekyll And Mr Hyde
07. Absinthe
08. Under The Floor Again
09. I Just Can’t Be Happy Today
10. 13th Floor Vendetta
11. Eloise
12. People Are Strange
13. Curtain Call
14. Tightrope Walk
15. The Dog
16. Neat Neat Neat – Bela Lugosi’s Dead
17. Black Is The Night

Bewertung: 1-

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Fotos: Dod Morrison

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