Wat mutt, dat mutt: Eriks Dinger des Jahres 2015

Nachdem Facebook wie jedes Jahr versuchte, mein Leben in denjenigen Posts zu rekapitulieren, die am meisten geliked wurden, jede Fernsehsendung, von der ich irgendwann mal etwas gehört haben könnte, ihren ganz individuellen Jahresrückblick gesendet hat und sowieso alle Welt gespannt gebannt auf den Jahreswechsel hinfiebert, betäubt von Zimtfusel mit Billiglikör und gepackt vom Fluche des Kapitalismus wie gebrandmarkte Rinder auf dem Weg zum Viehtransporter durch die Korridore der Konsumtempel hetzend - ist es nun wohl auch an der Zeit, dass ich das Bein hebe und meinen ganz persönlichen Weihnachtsbaum öffentlichkeitswirksam markiere.

Zuerst das Wichtigste: Lemmy lebt noch. Auch wenn ich im Januar schon Wetten abgeschlossen hätte – ohne ihm Böses zu wollen, aber lassen wir das. [Nachtrag: das musste ja so kommen. Das lag echt nicht in meiner Absicht: R.I.P. Lemmy!!!]

Nun der Versuch das vergangene Jahr sinnvoll zu umreißen. Gliederung: Demo, Album, Single, Konzert. Ja, das müsste klappen.

Punkt 1, Demo. Wer hat bis jetzt eigentlich was von Dolch gehört? Also, richtig stilisiert wäre es natürlich (D O L C H). Solche Bandnamen markieren immer den Moment, in dem mir der Hipsterhammer entgleitet und ich alles nur noch kacke finde. Glücklicherweise hörte ich von dieser Kombo zuerst das ‚Bahrelied‘ im Stahlwerk-Radio, bevor ich auf Youtube den Bandnamen las. Deshalb auch die indifferente Position zu dieser scheinbar deutschen Band, viel mehr lässt sich ohne wissenschaftliche Recherche kaum über die Gruppe herausfinden. – Ich schweife ab! Was ich sagen wollte: Woran diverse Post-Black-Doom-Stoner-Bands abgesehen von zwei oder drei angenehmen Liedern scheitern, nämlich einen tragenden, progressiven, irgendwie schweren, aber trotzdem eingängigen Sound zu kreieren, fällt den Dolchen nicht schwer. Ob ich auf ein Konzert will, weiss ich seit Chelsea Wolfe im Berliner SO36 trotzdem nicht so genau.

Weiter im Text, Album. Dieses Jahr eine ganz klare Sache. Graves neues Album ‚Out Of Respect For The Dead‘ überzeugt durch grooviges Riffing mit Biss und Herz. Dazu die oldschooligen Gitarrensoli und trotz allem ein moderner, defininerter Sound. So muss das sein. Ach, und der Flop des Jahres? Fängt mit ‚I‘ an, hört mit ’n Flames‘ auf. Müssen wir nicht weiter drüber diskutieren.

So, vorletzter Punkt, Single. Keine Ahnung, warum das wichtig sein sollte. Vermutlich reine Bosheit. Also wer bis jetzt noch nicht ge-wham!-ed wurde, dem sei gesagt, dass ‚Christmas Time (Don’t Let The Bells End)‘ von The Darkness just in diesem Moment auf Platz eins der offiziellen Rock- und Metal-Singlecharts thront. Ich geh mich derweil übergeben.

Konzert. Quasi-Konzert des Jahres. Das muss dann wohl das Rockharz-Festival gewesen sein: Geile Musik, geile Leute, (recht) billiges Bier. Was kann schöner sein, als mit einem riesigen Lieferwagen als improvisiertem Wohnmobil die ganzen Chaoten wieder zu sehen, Spaß zu haben, Unsinn zu verzapfen und zu saufen? Mir fällt nichts ein, zumindest nichts, was mit Musik zu tun hat. So, und Club-Konzerte gab es da ja auch noch. Lässigerweise lässt sich auch dieses Thema mit drei Worten abhaken. In This Moment haben das Ding nämlich schon im März für sich entschieden. Eine so runde Bühnenshow mit aufwändiger Kulisse, abwechselnden Kostümen, dazu passendem Licht, und das alles nur, um die Musik noch eindrucksvoller zu machen – es hat gewirkt. Gerne wieder!

„An dieser Stelle fehlt das Fazit„, hat es in der Schule immer geheißen. Sowas mit ‚Schlussendlich‘ oder ‚Abschließend‘. Aber eigentlich ist ein Jahr doch eine Zeiteinheit, in SI-Einheiten 3.1536 x 10⁷ Sekunden, und es liegt nun wirklich nicht in meiner Macht, die Zeit abzuschließen, denn auf 2015 folgt 2016 und zwar ohne dass die Zeit anhält und sich fragt, was das jetzt eigentlich gewesen sein soll und wie man das zusammenfassen kann, falls jemand fragt. In diesem Sinne: Weitermachen.

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