Blur

The Magic Whip

  • Artist: Blur
  • Album: Blur
  • Label: Parlophone
  • Release: 2015-04-24
  • Medium:

Was macht die Faszination ‚Jurassic Park‘ aus? Längst ausgestorbene, riesige Kreaturen kehren zurück in die Gegenwart und sind plötzlich lebendig. So ähnlich verhält es sich mit Blur. Im Jahr 2003 aufgelöst, nachdem ein meteoritengroßer Streit über die Ausrichtung der Band zum Bruch mit Gitarrist Graham Coxon führte. Das letzte Album ‚Think Tank‘ war demnach ein Werk des verbliebenen Trios um Damon Albarn, Alex James und Dave Rowntree.

Gut zehn Jahre nach der Trennung erfolgte dann die langsame Annäherung der einstigen Britpop-Legenden durch gemeinsame Live-Auftritte. Trotz brodelnder Gerüchteküche schien ein neues Album nicht realistisch, ehe es im März diesen Jahres dann plötzlich doch Gewissheit wurde: Blur erheben sich aus dem selbst geschaufelten Grab und veröffentlichen mit ‚The Magic Whip‘ ihren achten Longplayer. Der Dino lebt wieder und schleckt dabei Sahne in einer Eiswaffel.

Auf einer Konzertreise durch Asien entstanden in Hong Kong erste Jams für die neuen Songs, die dann von Albarn zerpflückt und arrangiert wurden, ehe das Material dann im vergangenen November ins Studio ebenfalls in Hong Kong ging. Dem Asia-Style blieben die Londoner dann auch im Artwork treu. Insgesamt überzeugt ‚The Magic Whip‘ mit seinen Anlehnungen an vergangene Zeiten. Dennoch ist es keine reine Kopie alter Strukturen, wie es so ein gewagtes Comeback-Album vermuten lassen könnte.

Der Einfluss der Solo-Projekte der Bandmitglieder ist spürbar. Albarn, der besonders mit seinem Animations-Projekt ‚Gorillaz‚ enormen Erfolg hatte, zieht deutlich die Fäden, die Synthies und auch eine eine kleine Portion Space-Sounds einfließen lassen. Diese Neuausrichtung des gewohnten Blur-Sounds bremst Coxon mit seinem unnachahmlichen Gitarrenspiel etwas ein. Der spannendste Song der Platte ist ‚Thought I Was A Spaceman‘, der sich mit leichtem Electro-Beat verträumt dahin schlängelt und von Albarns leichten und brüchigen Vocals getragen wird, ehe das komplette Schlagzeug einsetzt. Eine depressiv-schöne Dynamik, die eben auch in gewisser Weise seit jeher für Blur gestanden hat.

Locker und beschwingt sind die ‚LaLaLas‘, ‚Ohhhhs‘ und ‚Ahhhhs‘, die immer wieder zu hören sind und auch in der Vergangenheit für Blur standen. Rockige Ohwürmer wie ‚Go Out‘ oder der Mitwipp-Song ‚Lonesome Street‘ versprühen ihren Britpop-Charme wie er eben nur von Blur fabriziert werden kann.

Es bleibt noch die Frage, ob die Welt das Blur-Comeback gebraucht hat? Wahrscheinlich nicht, da es abzusehen war, dass die Brillanz der Alben aus den 90ern nicht erreicht werden kann, da das Gefühl der Zeit heute ein anderes ist. Aber ebenso wie im Jurassic Park ist es eine fantastische Vorstellung, etwas zu sehen bzw. bei Blur zu hören, was längst ausgestorben zu sein schien. Modrig ist ‚The Magic Whip‘ jedenfalls nicht geworden. Im Gegenteil: Die alten Herren können noch zuschnappen!

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