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Female Voices of Progressive Rock: Ashby und Eyevory als Seelenwärmer

Whiskey-Soda präsentiert derzeit zwei starke deutsche Progressive-Rock-Bands auf einer gemeinsamen Tour. Die Bremer Progger von Eyevory sind gemeinsam mit Ashby aus Mülheim an der Ruhr in Nordrhein-Westfalen unterwegs, um ihre aktuellen Alben vorzustellen, ihre Fans zu begeistern und neue für sich zu gewinnen, in erster Linie aber, um gemeinsam musikalisch Spaß zu haben. Wir waren beim Heimspiel der Bremer live mit dabei.


Der Tourname "Female Voices Of Progressive Rock" ist natürlich Programm, haben doch beide Bands starke Frontfrauen an den Mikros: Sabina Moser von Ashby dürfte viele durch ihren Auftritt bei der Casting-Show "The Voice Of Germany" ein Begriff sein. Aber keine Angst, im traditionellen Bremer Rock- und Bluesclub "Meisenfrei" wird an diesem eiskalten Mittwoch Ende Februar 2018 natürlich kein Bandcasting betrieben, sondern hochqualitative Rockmusik abgeliefert.

Wir haben euch beide Bands kürzlich bereits in unserem Doppelinterview vorgestellt. Letztes Jahr spielten Eyevory und Ashy nacheinander auf dem weltweit bekannten Night Of The Prog Festival an der Loreley, von dem wir ebenfalls regelmäßig berichten. In den Bremer Club passen natürlich nicht so viele Leute wie in eine große Freilichtbühne, aber gelungene Live-Gigs und viel Mundpropaganda haben doch dafür gesorgt, dass es bei Eyevorys Heimspiel ziemlich voll an den Tischen im Hintergrund und an der gemütlichen Bar ist. Nur direkt vor der Bühne ist noch etwas Platz, was aber dem traditionell eher zurückhaltenden Publikum des Clubs geschuldet ist, das lieber sitzt und Bier trinkt, als direkt mit den Bands zu rocken. Sei’s drum, die Stimmung ist dennoch gut, und im Verlauf des Abends finden dann doch ein paar Fans ihren Weg bis ganz nach vorne.

 

Um viertel nach Acht geht es los mit Ashby, die heute in reduzierter Besetzung antreten, da Keyboarder Joel verhindert ist. Das führt gleich zu Konzertbeginn zu einigen technischen Schwierigkeiten, die aber nach wenigen Augenblicken behoben sind und zeigen, dass die Band die Improvisation beherrscht. Wie uns Eyevory Gitarrist David Merz im Interview verraten hat, ist der Song 'Ashes Decay' seine Lieblingsnummer der Mülheimer Bandkollegen, und mit eben diesem epischen Longtrack beginnen Ashby auch das heutige gut einstündige Set. Frontfrau Sabina Moser überzeugt mit einer starken Performance, musikalisch sticht insbesondere der Gitarrist Jan Göpelt heraus, der eine berauschende Mischung aus filigranen und für Prog-Verhältnisse ausgesprochen kurzen Soli sowie knackigen Riffs abliefert. Aufgrund des fehlenden Keyboarders kommen einige Instrumentalparts von der Festplatte. Schade, aber natürlich nicht zu ändern. Dennoch springt der Funke schnell über. Die Clubbesucher wippen beschwingt an ihren Tischen und nicken zustimmend.

Ashby planen ihre nächstes Album für 2019 und sind derzeit dabei, neue Songs zu schreiben. Einige davon gibt es heute schon live zu hören, so zum Beispiel das eindringliche 'Night Of The Hunter'. Überzeugend ist auch Christopher Streidt am voluminösen fünfsaitigen Bass, dem teils tragende Parts zuteil werden. Die Musik selbst ist überwiegend im mittleren Tempo, kommt dicht und überwiegend melancholisch daher, während einer langen Instrumentalpassage verlässt Sabina gar die Bühne und gesellt sich ins Publikum. Zur Belohnung gibt es lang anhaltenden Applaus und lautstarke Rufe nach einer Zugabe, denen Sabina und ihre Jungs gerne nachkommen. Das Set endet dementsprechend mit einem der ersten Songs der Band, der alten 10-Minuten-Nummer 'A Question Never Heard'.

 

Eine knappe halbe Stunde dauert es nach dem gelungenen Auftakt, bis der Abend dann mit den Lokalmatadoren von Eyevory weitergeht. Auch wenn beide Bands des heutigen Abends "Female Fronted Prog" spielen, unterscheiden sie sich doch, was musikalische Herangehensweise und Umsetzung angeht. Sabina Mosers Gesang ist eher rau und blueslastig, und die gesamten Arrangements sind düsterer, verschachtelter und frickeliger, bei Eyevory hingegen wird es melodisch und etwas leichtfüßiger, insbesondere durch die außergewöhnliche Instrumentierung und die Besetzung mit zwei gleichberechtigten Sängerinnen. Kaja Fischers vielfach dominierender Einsatz der Querflöte setzt gekonnte Akzente, wenn Prog-Rock, Pop, Folk und hin und wieder ein paar Metal-Riffs miteinander verschmelzen.

Am Schlagzeug sitzt heute erstmals Neuzugang Christian Schmutzer, der seinen ersten Gig mit Eyevory spielt und zum Einstand eine herausragende Leistung abliefert, nachdem er sich das gesamte Set innerhalb kürzester Zeit verinnerlichen musste. Wir hoffen, dass die Band damit endlich einen neuen festen Drummer gefunden hat.

 

Mit ihren ungewöhnlichen Outfits (die Damen könnten einem Mittelalter- oder Folkfest entsprungen sein, die Kostümierung des Gitarristen erinnert ein wenig an Steampunk) liefern die vier Musiker das passende Ambiete für die Musik, insbesondere die Tracks der Wanderung durch "Inphantasia", dem konzeptuellen Land aus dem aktuellen gleichnamigen Album. Außerdem gibt es heut  zwei neue Songs zu hören: Zunächst das rockig-treibende 'Blank' und direkt im Anschluss das atmosphärische, für Gänsehaut sorgende 'Slowly Falling'. Das neue Material macht Lust auf mehr, und wir freuen uns jetzt schon auf das nächste Album.

Nach eineinviertel Stunden mit eingängigem und melodischem Folk-Prog dürfen Eyevory natürlich ebenfalls mit dem Titelsong des aktuellen Albums noch eine Zugabe spielen, bevor sich die Band mit dem obligatorischen Selfie mit Publikum im Hintergrund von der Bühne verabschiedet.

Es ist eine eiskalte Nacht mit zweistelligen Minusgraden draußen, in die das Meisenfrei seine Besucher entlässt. Aber dank beider spielfreudiger Bands haben alle versammelten Progger hoffentlich ein bisschen Wärme in Herz und Seele gespielt bekommen, um es durch die Dunkelheit ins heimische Bett zu schaffen. Dankeschön dafür, Ashby und Eyevory!

Eine Fotostrecke zum Konzert findet ihr auf unserer Facebookseite

Bericht und Fotos: Michael Buch


 

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Michael
© 03/2018 whiskey-soda.de
 


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