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Helloween - Live In The U.K. Again!

Vor 28 Jahren schnitten Helloween in Großbritannien das einzige Livezeugnis der "Keeper Of The Seven Keys"-Besetzung mit. Für den furchtlosen Whiskey-Soda-Redakteur SaschaG war somit klar: die "Pumpkins United"-Tour, die besucht man am Besten in besagtem UK!

Daß die Helloween-Reunion-Tour unter dem Motto "Pumpkins United" überhaupt zustande kam, hat mit Sicherheit irgendetwas mit einer ganz speziellen Sternenkonstellation zu tun. Schließlich gab es bei Helloween, das dürfte kein Geheimnis sein, lange Jahre große Unstimmigkeiten zwischen den Mitgliedern des "Keeper Of The Seven Keys"-Lineup, so daß die Chancen für eine Reunion lange Zeit eher gegen Null tendierten. Gleichzeitig hatte die Band in den letzten Jahren dank Dani Löble und Sascha Gerstner auch endlich wieder ein stabiles und vor allem an einem Strang ziehendes Lineup, das musikalisch ganz klar auf eigenen Füßen stand, weshalb auch kreativ betrachtet eine Nostalgietour wenig sinnig schien.

Die wahrhaft salomonische Entscheidung, die beiden Ex-Mitglieder Kai Hansen und Michael Kiske für die "Pumpkins United"-Tour ganz einfach in besagtes aktuelles Lineup zu integrieren, stieß wenig überraschend auf fast ungeteilten Zuspruch unter den Fans - weder der Neu-Fan, der die Band während der Deris-Ära zu schätzen gelernt hatte noch der Alt-Fan konnte daran wirklich viel mäkeln. So waren auch knapp 4000 Briten aus dem ganzen Land nach Brixton gereist, um dort den Kürbisköppen ihre Aufwartung zu machen. Die Academy ist mit ihrem im italienischen Rennaissance-Stil gestalteten Design, das das Gefühl eines ungewohnt edlen und intimen Open-Air-Venues vermittelt, sowieso eines der schönsten Konzertvenues der Welt und allen am harten Rock interessierten Musikfans spätestens seit AC/DC und ihrem 'Thunderstruck'-Videoclip bekannt.

 

Auch wenn Helloween ihre Livescheibe zur Tour bereits ein paar Tage zuvor in Südamerika aufgezeichnet hatten, schwebte doch ein gewisses Flair des Besonderen über der einzigen UK-Show - doch nicht nur wegen der Location. Das Publikum war deutlich gemischter, als man das von hiesigen Metal-Gigs kennt - kein typisches "Arme-verschränken-und-abwarten" Metal-Publikum, sondern eher "normales" Rockvolk, wie man es auch bei, sagen wir mal, Bruce Springsteen, AC/DC oder Joe Bonamassa treffen würde. Dabei handelt es sich wohl teilweise um eben die Generation, die mit den ersten Helloween-Scheiben aufgewachsen ist und die Chance nutzte, eine Zeitreise anzutreten, andererseits einfach um den Beweis, daß Helloween im Metal-Bereich vielleicht belächelt werden mögen, aber dafür eben schon immer das Zeug zur Mainstream-Akzeptanz gehabt hatten. Denn, und das sollte niemand so auslegen, das hier waren nicht 4000 alte Menschen, die versehentlich auf der falschen Party waren.

Denn wo oft berichtet wird, daß sich bei UK-Shows mehr Publikum an der Bar sammelt als vor der Bühne, war es in diesem Fall spätestens Viertel vor Acht ziemlich ordentlich gefüllt und es gab die ersten 'Happy Happy Halloween'-Chöre zu vernehmen. Und von den ersten Takten des Openers 'Halloween' erwiesen sich die Briten als absolut textsicher und feierwillig - derart laute Publikumschöre hört man für gewöhnlich eher bei Iron Maiden oder Pearl Jam als bei deutschen Power-Metallern. In der Theorie ist es natürlich eine gewagte Entscheidung, als Nicht-Prog-Band eine Show mit einem dreizehminütigen Monster zu beginnen - in der Praxis aber funktionierte das im Fall 'Halloween' absolut perfekt. Die ausladende, abwechslungsreiche und dennoch hochmelodische Komposition bot sowohl Michael Kiske als auch Andi Deris den perfekten Spielplatz zum ausgiebigen Duettieren, und aufgrund der komplexen Gitarrenarbeit konnten sich auch Gerstner, Hansen und Weikath gleich prächtig in Szene setzen. Überhaupt war es durchweg beeindruckend, wie problemlos sich die sieben Musiker musikalisch verzahnten. Kiske und Deris klangen so gut zusammen, daß man irgendwie das Gefühl bekam, so sei es doch schon immer gewesen, wenn sich die beiden Ausnahmesänger gegenseitig die Bälle zuspielten, Harmonien sangen und gemeinsam das Publikum anfeuerten. Auch Kai Hansen mag seit 29 Jahren nicht mehr Mitglied bei Helloween gewesen sein, doch nach wie vor passt sein Stil einfach perfekt und ansatzlos zu dem von Michael Weikath - und auch zu Sascha Gerstner, der die ganze Sache zusammen mit dem immer noch hyperaktiven und musikalisch meist gnadenlos unterschätzten Markus Grosskopf (bs) und Drumtier Dani Löble musikalisch felsenfest zusammenhielt. Optisch unterstützt wurde die Band von einer großen Leinwand, die im Laufe der Show diverse eigens produzierte Filmchen und gelegentlich auch einfache Backdrops zeigte.

 

Nach dem Epos zum Aufwärmen gab's mit 'Dr. Stein' gleich den einzigen echten Singlehit der Band hinterher, bei dem man das Labor des Doktor Frankenstein vom Single-Cover als Animation betrachten konnte - und Ausschnitte aus dem kultigen Auftritt bei Ingolf Lücks Chartsendung "Formel Eins" anno 1988. Im Anschluß tauchten zum ersten Mal die beiden Comic-Kürbisse Seth und Doc auf der erwähnten Leinwand auf - nun, der Humor der kurzen Filmchen mag nicht immer großes Kino sein, doch brachten die Einspieler der Band genug Zeit für Gitarrenwechsel und ermöglichte eventuell auch dem einen oder anderen Bandmitglied den Besuch im Sauerstoffzelt. Denn, das darf man nicht oft genug erwähnen, die Band stand an diesem Abend für satte drei Stunden ohne Pause auf der Bühne, was bei der recht anspruchsvollen Musik von Helloween den Musikern sicherlich ein extremes Maß an Disziplin abverlangte. So hatten imer wieder sowohl Kiske als auch Deris ein paar "Solosongs", bei denen sich der jeweils Andere kurz entspannen konnte. Michi durfte beispielsweise 'I'm Alive' und das von den Briten überraschend kräftig abgefeierte, hierzulande oft verschmähte 'Kids Of The Century' im Alleingang darbieten, Kollege Andi 'If I Could Fly', 'Are You Metal?' und 'Waiting For The Thunder', bevor die beiden zum Ende von 'Perfect Gentleman' wieder zusammen agierten.

Helloween - Live In The U.K. Again! Seiten 1 2

 

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SaschaG
© 11/2017 whiskey-soda.de
 


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