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Euroblast Festival 2017 – Djentleman-Gefrickel in Köln

Ist die Dreizehn eine Unglücks- oder doch eher eine Glückszahl? Wird Gitarrengefrickel noch frickeliger, wenn man die Saitenzahl seines Instruments erhöht? Sind Djentlemen noch zuvorkommender und hilfsbereiter als Gentlemen? Ist Djent überhaupt ein Genre? All diese Fragen galt es wieder einmal zu klären auf dem nunmehr dreizehnten Euroblast Festival in Köln. Das Indoor-Festival in der bekannten Location Essigfabrik ist längst kein Geheimtipp mehr für alle Freunde progressiver und innovativer, überwiegend metallischer Klänge. Whiskey-Soda war wieder live mit dabei. Hier unser Bericht vom ersten Festivaltag.


Das Euroblast-Festival findet dieses Jahr vom 29. September bis zum 01. Oktober zum 13. Mal statt, davon zum fünften Mal in der bekannten Essigfabrik in Köln-Deutz. Das familiäre Festival hat auch dieses Jahr auf zwei Bühnen über 40 Bands der modernen Progressive Rock- und Metal-Szene am Start. Neben altbekannten und großen Namen möchten die Veranstalter auch bewusst neueren Bands eine Chance geben, sich zu präsentieren. Am Freitag geht es schon gegen Mittag los, wobei viele Besucher erst im laufe des Nachmittags oder am frühen Abend eintrudeln. Aber nach und nach wird es immer voller auf dem Gelände, das aus der Haupthalle, einem Hinterhof mit einigen Merch- und Imbiss/Getränkebuden und den Ständen von Gitarrentechnikfirmen sowie einer zweiten kleinen Bühne im Keller besteht. Auf dieser Nebenbühne präsentiert das Festival überwiegend interessante Nachwuchsbands, von denen so manche sicher in den nächsten Jahren auch auf einer größeren Stage stehen dürfte.

Bis zum Abend haben sich rund 1500 Fans moderner harter Klänge auf dem Gelände der ehemaligen Essigfabrik versammelt und empfangen die auftretenden Bands mit lautstarkem Applaus. Das Festival ist insbesondere auch für seine familiäre und trotz der teils brachialen Musik angenehm entspannten Atmosphäre bekannt.  Dies hat sich im Lauf der letzten Jahre herumgesprochen, denn die Anreise der Besucher erfolgt auch dieses Jahr wieder im wortwörtlichen Sinne aus der ganzen Welt. Im Hof ist eine Landkarte aufgestellt, wo sich jeder verewigen kann. Bei dem einen Kreuz aus der Antarktis müssen wir aber noch weiter nachforschen, wo sich dieser Fan versteckt hält.

 

Eröffnet wird das Euroblast 2017 in der Haupthalle von einem der bekanntesten modernen Shred-Gitarristen, Andy James. Er heizt dem Kölner Publikum zur Mittagszeit mit melodischem Shred-Metal ein und legt die technische Messlatte für alle folgenden Acts schon einmal sehr hoch. Doch verstecken dahinter muss sich niemand. Sowohl die australische Band Lo! als auch die ersten Gruppen auf der Kellerbühne überzeugen mit durchweg hoher Qualität, so zum Beispiel Hieroglyph aus dem britischen Leeds oder die Hamburger von Controversal.

 

Voyager aus Australien bieten einen packenden Gig oben auf der Hauptbühne. Die Band war zuletzt mit den Deftones, Karnivool und The Algorithm auf Tour und hat mit ihrem letzten Album "Ghost Mile" Kritiker und Fans der Prog-Metal-Szene wieder einmal von sich überzeugen können. Die Band, die für den Progressive Music Award 2017 in der Kategorie Beste Internationale Band nominiert gewesen ist, schürt entsprechend hohe Erwartungen im Publikum, und diese kann sie schon nach wenigen Augenblicken voll und ganz erfüllen. Die Australier vermischen Ambient- und Trance-Sounds mit düsteren Gitarrenattacken, und der deutsche Frontmann Danny Estrin freut sich sichtlich, mal wieder in seiner alten Heimat spielen zu dürfen.

Auf der kleinen Bühne m Basement unterhalten Isaac Vacuum, Galaxy Space Man und The Sleeper mit kräftigem Death-Metal, wobei gerade der Space Man auch mit psychedelischen ruhigeren Passagen absolut überzeugen kann. Dazwischen zaubert Angel Vivaldi aus New Jersey eine instrumentale und äußerst frickelige Gitarrenshow auf die Bühne, die durch technisches Können und hohe Spielfreude überzeugt, aber trotzdem irgendwann langweilig wird, da der Gitarrist ein paar Posen zuviel macht und die Songs zu wenig Abwechslung bieten. Aber dennoch: Respekt vor der technischen Leistung, und nachweislich ist das Ganze auch ohne verknotete Finger abgegangen.

Uneven Structure sind alte Bekannte des Euroblast Festivals und haben schon vor zwei Jahren ihr Publikum begeistert. Die Franzosen verschmelzen mit ihren tiefer gestimmten Gitarren polyrhythmische Passagen mit wummernden Ambient-Sounds und sorgen auch heute wieder beste Stimmung unter den überwiegend männlichen Fans, deren Look vielfach von kurzen Haaren, vollen Bärten, bunten Tattoos und dunklen Ohrplugs bestimmmt wird.

Als nächstes stehen mit The Algorithm ebenfalls wieder alte Bekannte auf der Hauptbühne. Die französische Band um den Gitarristen und Keyboarder Rémi Gallego verschmilzt elektronische Ambient-Sounds mit progressiven Metalriffs und gehört mit dieser außergewöhnlichen Mischung zu den vielen innovativen Bands des Festivals. Deutlich hörbar ist der große Fankreis in den ersten Reihen, und das Duo liefert eine packende Show, die leider von einigen technischen Problemen überschattet wird, was der Stimmung aber keinen Abbruch tut. Bevor es dann in der Halle mit dem Hauptact des Tages weitergeht, füllen Their Dogs Were Astronauts noch den Keller mit psychedelisch-spacigen Klängen. Das Duo aus Österreich ist genauso ungewöhnlich wie der Bandname: Nur mit Gitarre und Keyboards (und Drum-Samples vom Laptop) wird ein druckvoller und rein instrumentaler Klangteppich gewebt, der das Publikum begeistert.

Die niederländischen Metaller von Textures haben vor einiger Zeit ihre bevorstehende Auflösung bekannt gegeben, und der heutige Auftritt ist einer der letzten in Deutschland und definitiv der letzte Festivalauftritt in Köln. Zum Abschied gibt es noch einmal die geballte Ladung Metalcore und progressiven Death Metal vom Feinsten. Vor der über einstündigen Show, die mit Fug und Recht als Hightlight des ersten Tages und als würdig für den Headliner-Slot angesehen werden kann, gibt es noch eine emotionale Szene, als die versammelte Band auf der Bühne ihren Abschied vom Euroblast nimmt. Vier Gigs haben die Niederländer hier gespielt, und sie lassen es sich nicht nehmen, die Festivalorganisatoren zu sich auf die Bühne zu rufen und ihnen für die Unterstützung und ihre Arbeit zu danken.

 

Die von hartem Riffing und düsteren Screams dominierte Musik animieren die Crowd zu exzessiven Mosh- und Circlepits im vorderen Hallendrittel. Auch nach dem Auftritt der Tilburger ist der Abend – oder besser gesagt die Nacht – in Köln noch nicht vorüber. Für die Feierwütigen gibt es ein Late Night Special mit den beiden Bands Harbinger und Rivière. Dann heißt es hinaus in die Herbstnacht und Vorbereiten auf den nächsten Tag, denn das Euroblast hat ja gerade erst begonnen.

Hier findet Ihr eine Fotostrecke zum ersten Festivaltag

Fotos: Michael Buch



 

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Michael
© 09/2017 whiskey-soda.de
 


Kurzinfos: Euroblast Festival

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