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Metaldays 2017 - Headbanger-Ferien im grünen Slowenien (2)

Die ersten drei der fünf Tage der Metaldays im tschechischen Tolmin hatten Unmengen an Erlebnissen und Emotionen zu bieten. Wetterkapriolen mit einer total zerstörten Newcomer-Stage und abgesagten Auftritten am ersten Tag, die grandiose Natur mit den umliegenden Bergen und den Flüssen Soca und Tolminka und natürlich Rockmusik en masse. Neben berühmten Namen wie Doro oder Marylin Manson hatten bei den "echten Metallern" Iced Earth für echte Begeisterung gesorgt, der tschechische Grindcore-Geheimtipp Gutalax für sprichwörtlich explodiernden Wahnsinn im Publikum und mit Sanctuary, Grave Digger oder Loudness waren auch Metal-Pioniere am Start.

Der Donnerstag sollte selbstverständlich erneut mit einigen beliebten Bands aufwarten - und das Wetter sich von einer besseren Seite zeigen als die erste Hälfte der Woche. Die Whiskey-Soda-Delegation wollte sich in den letzten beiden Tagen noch etwas mehr den Newcomern auf der eigens eingerichteten, neuen Stage widmen. Die bereits am Montag noch vor Beginn (zum Glück!) der ersten Auftritte zerstörte Bühne war seit Dienstag wieder auf Vordermann gebracht, die am Montag ausgefallenen Bands hatten ihre versäumten allesamt Performances nachholen können. Den Anfang auf der etwas abseits der Hauptrouten liegenden und eher bescheiden frequentierten Nachwuchsbühne machten die spanischen Immorgon. Mit deren Landsmännern von Angelus Apatrida sollten wir später über die inzwischen blühende Metalszene auf der iberischen Halbinsel philosophieren. Immorgon traten dafür den Beweis an. Viking-(Death)-Metal stammt üblicherweise aus Skandinavien, doch davon lässt sich der fidele Vierer nicht beeindrucken. Stilecht in Mittelalter-Kleidung gehüllt, zeigte die Mucke der noch recht jungen südeuropäischen Band schon viel Potential, lediglich beim Gesang und der allgemeinen Routine zeigte der Trupp (verständlicherweise) noch Nerven.

 

Auf dem Weg zur Second Stage durch den Wald zeigte sich eine weitere Besonderheit der Metaldays. Nicht nur auf dem eigentlichen Campinggelände, sondern auch im Wald bis hinunter zur Soca läuft man an zahllosen Zelten vorbei, der Wald ist geradezu übervölkert. Aber es strahlt eine sehr chillige Atmosphäre aus, wie sich die Lager so zwischen die Bäume schmiegen. Die Metaldays wurden 2016 zum "grünsten Festival Europas" gekürt. Von geschäftstüchtigen Metalheads wird "Beer for Boobs" angeboten und irgendjemand trägt IMMER eine Schwimmring in Form eines Einhorns, einer Palme oder einer stattlichen "Bierinsel" von A nach B, um die Frische des grünen Flusses zu geniessen. Pijn, entgegen dessen, was der Name vermuten liess keine niederländische, sondern eine britische Band hatte zum "Hardcore" gerufen, zumindest versprach das das Festivalprogramm. Stattdessen lieferten die Gentlemen aus Manchester einen eigentümlich-bewundernswerten Mix aus Post- und Artrock, mit betörend schönen Melodien, eruptiven Klanggewittern und einer echten Lap-Guitar. Die nachfolgenden Angelus Apatrida aus Spanien hatten bereits gegen 16 Uhr eine solide Menge an Headbangern vom Wasser weggelockt. Kein Wunder, gelten die vier Jungs doch als das Beste, was Spanien in metallischer Hinsicht zu bieten hat. Nicht nur, aber vor allem als Live-Act.

Eine 24-Stunden-Odyssee hatten Guillermo, Victor, José und David hinter sich und waren sprichwörtlich in letzter Minute angekommen. Hätten die Jungs das nicht charmant-lapidar erzählt, man hätte es ihrem Auftritt nicht angemerkt. Denn sowohl auf als auch vor der Bühne explodierte die 45-minütige-Metal-Party geradezu! Von den Live-Qualitäten kann man sich noch in diesem Jahr auch zu Hause überzeugen: Um Weihnachten soll das erste, vollständig Do-It-Yourself produzierte, erste Livealbum der spanischen Klasse-Thrasher erscheinen.

Die Architects hatten leider abgesagt, so dass auf der Hauptbühne das Programm erst etwas später mit modernem Progressive Metal aus dem Zwergstaat Andorra eröffnet wurde. Persefone haben Anfang des Jahres ihr fünftes Album "Aathma" veröffentlich. Und wenn Whiskey-Soda-Redakteur Sascha das auf der Scheibe bei aller Klasse etwas kalkuliert und leblos fand, spielte die Band live alle Trümpfe aus. Exzellentes technisches Niveau aller Musiker nicht nur im Studio, eine allgemein sehr locker-sympathische Präsenz auf der Bühne und jede Menge Power gab es da zu bestaunen. Egal ob Screams, Keyboards oder Gitarren, hier stimmte alles. Besonders punkten konnten die Progger mit ihrem sehr druckvollen Medley vom Krieg-der-Sterne-Soundtrack, dargeboten mit dem bandeigenen Dreh. Hier konnten der Prog-Nerd, der Party-Metaller und sogar der Science-Fiction-Fan zufrieden vereint headbangen!

Gegen Abend legen auf der Mainstage die Blues Pills los. Sehr launiger, handgemachter Rock, der auf die 70er Jahre zurückblickt. Die Schweden haben in den letzten drei Jahren einen kometenhaften Aufstieg erlebt, und wenn man Frontfrau Elin -neurings mit blonder Ponyfrisur - bei der Arbeit zusieht, dann kann man das gut verstehen. Die Power-Stimme voller Soul, die Dynamik, die Gelassenheit, die Spielfreude, all das spricht für die Mittzwanziger, die einen für Metalverhältnisse sehr chilligen, aber überaus erfolgreichen Auftritt hinlegen.

 

Die wegen ihrem radikalen Stilwechsel der letzten Jahre durchaus kontrovers wahrgenommenen Opeth sollten die Pechvögel des Tages sein. Zum Headliner des Tages hatte sich in der Dämmerung der weitläufige Platz vor der Mainstage beachtlich gefüllt und die Schweden begannen locker-routiniert ihr Set mit 'Ghost of Perdition'. Der anspruchsvolle Progressive-Death-Metal der Skandinavier sorgte schnell für anerkennende Bewegungen der Nackenmuskulatur, doch nach 'Sorceress' vom aktuellen Album ging plötzlich nichts mehr. Auf der Bühne setzte hektische Betriebsamkeit ein, um die nicht näher erläuterten technischen Probleme in den Griff zu kriegen. Das dauerte jedoch über 30 Minuten, in der es Bandleader Mikael Åkerfeldt, sonst witzige Plaudertasche, offenbar die Sprache verschlagen hatte. In den gesamten 35 Minuten sagte der Frontmann kaum mehr als drei Sätze der Erklärung. Nach 15 Minuten begann Leadgitarrist Frederik Åkesson zwar mit der Improvisation von Gitarrensolos, doch auch das konnte nicht verhindern, dass im Laufe der Zwangspause rund ein Viertel des Publikum enttäuscht von der Wiese strömte. Auch wenn die Band danach wie gewohnt einen astreinen Job machte, sich Åkerfeldt bei den Dagebliebenen bedankte und den Abend somit durchaus gelungen zu Ende brachte, war die Magie des Gesamteindrucks durch den harschen Unterbruch doch verflogen. Für einen dennoch zauberhaften Abschluss des Tages sorgten auf der Nebenbühne dann die Live einfach immer grandiosen Isländer von Sólstafir.

Metaldays 2017 - Headbanger-Ferien im grünen Slowenien (2) Seiten 1 2

 

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DanielF
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