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Michael Kiske - 'Ich bin keine Marionette!'

City Of Heroes heißt das neue Album von Amanda Somerville und Michael Kiske. Eine ganze Stadt voller Helden? Michael Kiske hat die deutsche Rock- und Metal-Szene nachhaltig beeinflusst und geprägt. Gemeinsam mit der amerikanischen Sängerin Amanda Somerville veröffentlichte Kiske vor fünf Jahren ein selbstbetiteltes Duett-Album. Mit "City Of Heroes" ist jetzt die zweite Veröffentlichung der beiden erschienen. Whiskey-Soda sprach mit Michael Kiske über das neue Album sowie über kaputte Knie, wie man am besten Elvis covert und - man kommt ja nicht darum herum - die Chancen auf eine Helloween-Reunion. Und die stehen tatsächlich gar nicht sooo schlecht.


Der 1968 in Hamburg geborene Sänger und Gitarrist ist ja in der Tat so etwas wie ein Held. Er führte das Power-Metal-Urgestein Helloween 1987 zum kommerziellen Durchbruch. Die beiden "Keeper Of The Seven Keys" Alben sind unbestritten die großen Klassiker der Band und zählen immer noch zu den meistverkauften Metal-Alben Deutschlands. Nach seiner Trennung von Helloween war Kiske unter anderem als Gast bei Tobias Sammets Projekt Avantasia mit dabei und ist inzwischen mit der Band Unisonic erfolgreich unterwegs, zu der auch Kai Hansen gehört, den Kiske ja schon aus alten Helloween-Zeiten kennt.

Zunächst einmal beglückwünschen wir den Hamburger Musiker zum neuen Album "City Of Heroes", das er gemeinsam mit der amerikanischen Sängerin Amanda Somerville aufgenommen hat. Und er ist auch ganz zufrieden mit dem Ergebnis. "Ja, ich hab es noch nicht so richtig als Album gehört", erklärt er uns. "Ich habe noch keine Box gekriegt mit CDs, die müsste aber jetzt eintrudeln in den nächsten Tagen. Ich bekomme das immer als Letzter!" Er lacht. "Aber das ist nicht so wichtig. Ich kaue mir schon lange nicht mehr die Fingernägel ab, dass ich das jetzt sofort hören muss oder so. Aber beim Aufnehmen selber ist mir schon aufgefallen, dass es gut geworden ist." Und natürlich hat Kiske das Album dann auch bei der Nachproduktion und Mischung mehrfach gehört, wobei er dort noch auf andere Dinge geachtet hat: "Level-Verhältnisse und solche Sachen. Einen richtigen Eindruck bekommt man tatsächlich erst, wenn man dann die fertige CD bekommen hat. Dann höre ich sie mir auch noch mal durch - und dann wahrscheinlich nie wieder!"

Bevor wir aber weiter auf die neue CD zu sprechen kommen, eröffnen wir den Plausch zunächst mit der Erkundigung nach der Gesundheit. Im Oktober letzten Jahres hatte sich Michael Kiske bei einem Auftritt mit seiner Band Unisonic nicht unerheblich am Knie verletzt. Die Diagnose lautete Kreuzbandriss - zumindest beinahe, denn komplett gerissen war es zum Glück nicht. "Es hing schon noch an der richtigen Stelle", berichtet Kiske von dem Missgeschick. Aber: "Dem Knie geht's erstaunlich gut, da bin ich wirklich sehr glücklich drüber", verrät der Musiker weiter. "Wir haben das Knie also nur ruhig gestellt, es musste nicht operiert werden. Der Trend geht ja dahin, dass heute nicht operiert wird, wenn es nicht unbedingt notwendig ist. Wenn's ab gewesen wäre, dann hätten sie es antackern müssen. Aber auch so ist es eine sehr langwierige Sache. Erst sagte der Arzt sechs Wochen, aber bei mir waren es erst einmal zwölf Wochen, und dann musste ich selbst Ende Februar noch weiter eine Schiene tragen. Aber jetzt merke ich kaum noch was. Ich habe nur noch etwas Probleme beim Treppe-Abwärts. Es gibt keine Instabilität, darüber bin ich sehr froh. Ich muss nur aufpassen, dass da nicht wieder was passiert." Damit ist Kiske auch wieder fit für die Bühne und die anstehenden Termine. "Ja, sind ja nicht soo viele", relativiert der alte Hase. "Jeden Monat ein Festival oder so. Ich hab mir eine spezielle Schiene geholt, die ich unter der Hose tragen werde, die sieht man nicht."

Aber zurück zum aktuellen Album. Wir sind natürlich neugierig, ob es das Duo Kiske - Somerville demnächst auch gemeinsam live zu erleben gibt, ob die "City Of Heroes"-Songs live präsentiert werden sollen. Das ist jedoch aktuell nicht geplant: "Als wir damals das erste Album gemacht haben, hatte ich noch keine eigene Band", erklärt Kiske. "Da hätte man so etwas aufbauen können vor fünf Jahren. Wir haben damals die Platte gemacht, dann gab es ein bisschen Promotion, zwei Videos - und das war's. Danach habe ich dann ja meine eigene Band wieder gegründet." Diese eigene Band ist natürlich Unisonic, in der neben Kiske u. a. auch Dennis Ward (Pink Cream 69) und natürlich der alte Helloween-Kollege Kai Hansen (Gamma Ray) aktiv sind. Unisonic ist Kiskes Hauptprojekt, mit dem er auch auf Tour geht. Nebenbei hat er zuletzt ja auch für Tobias Sammet und sein Projekt Avantasia auf der Bühne gestanden. "Das reicht eigentlich alles", gesteht der Musiker. "Da ich meine eigene Band habe, will ich das echt nicht übertreiben." Also keine Live-Duette mit Amanda Somerville? "Amanda hat total Lust dazu, ihr blutet auch das Herz, das habe ich gemerkt im letzten Austausch. Für sie wäre es natürlich schon schön, das zu machen, aber mein Management will das auch nicht. Es sei denn, das neue Album würde total durch die Decke gehen, dann wären wir natürlich blöde, wenn wir nicht touren würden." Wer also das Duo gemeinsam live erleben möchte kauft am besten schnell das Album, vielleicht ändern Michael Kiske und sein Management dann ja ihre Meinung.

 

Wie ist "City Of Heroes" aber nun genau entstanden? Kiske erklärt uns, dass die Initiative - wie schon beim ersten gemeinsamen Projekt mit Amanda Somerville - wieder vom Label Frontiers Records und dessen Chef Serafino Perugino ausging. "Diese ganzen Alben-Projekte sind Sachen, die vom Label angestoßen wurden. Sie haben nachgefragt, ob ich Lust auf so etwas hätte. Serafino macht ja sehr viele solcher Projekte. Es macht ihm Spaß, sich solche Sachen auszudenken, und mir ja auch. Er hat wieder angefragt, und als alle einverstanden waren, da hat er losgelegt. Ich selbst habe für das Album ja jetzt keine Songs geschrieben. Ich bin nicht so der Viel-Song-Schreiber. Bei mir passiert das ab und zu mal, wenn ich mich etwas konzentrierter hinsetze, passiert es auch ein bisschen öfter, aber trotzdem ist es bei mir nicht so wie bei anderen Leuten, die sich fünf oder sechs Wochen hinsetzen und ein ganzes Album schreiben. Es lief also so, dass das neue Album soweit schon produziert wurde, Amanda hat ihre Parts gesungen, und ich bekam dann die Dateien zugeschickt und habe meine Parts eingesungen. Heutzutage läuft es oft so ab, wenn ein Projekt nicht wirklich eine Band ist, die gemeinsam im Studio die Songs ausarbeitet, wie wir das zum Beispiel bei Unisonic machen."

Das Songwriting für das neue Album wurde also überwiegend von Magnus Karlsson (Place Vendome, Primal Fear) und Mat Sinner (Primal Fear, Sinner) übernommen. Die einzige Ausnahme stellt der Titel 'Breaking Neptune' dar, der von Amanda Somerville persönlich geschrieben wurde. Probleme damit, von anderen geschriebene Songs zu singen und sich zu eigen zu machen, hatte Michael Kiske aber zum Glück ja noch nie. "Wenn das so wäre, hätte ich ja damals auch 90% der Helloween Sachen nicht singen können", erklärt er. "Es ist ja in der Regel oft so, dass nicht der Sänger allein einen Song schreibt. Bei der Interpretation muss man ihn sich dann zu eigen machen. Es ist nur wichtig, dass Du einen Song so umsetzen kannst, dass er überzeugt." Eine gemeinsame Studioarbeit zwischen Amanda Somerville und Michael Kiske fand also überhaupt nicht statt. "Das war schon bei der letzen Platte so. Und im Prinzip ist es auch bei Unisonic so. Dort arbeiten wir zwar die Songs gemeinsam im Studio aus, was auch sehr wichtig ist, weil es sonst nicht viel mit einer Band zu tun hat und zum Projekt wird. Aber wenn es dann um die eigentliche Aufnahme geht...ich krieg' sehr viel schneller befriedigende Resultate hin, wenn ich nicht nach irgendeinem Zeitplan arbeiten muss. Ich bin jemand, der sehr selbstbewusst ist. Für mich gibt es einen hörbaren Unterschied, wenn ich zum Beispiel einen Song einsingen kann, wenn ich das ganz in Ruhe für mich alleine einsingen kann. Ich habe noch nie jemanden gebraucht, der mir sagt, wie ich was machen soll. Ich bin natürlich offen für kreative Vorschläge. Wenn ich zum Beispiel bei Unisonic einen Take fertig habe, dann schicke ich ihn Dennis (Ward, Bassist bei Unisonic, Anm. der Red.), und wenn er dann noch eine Idee hat, was man da machen könnte, dann mach' ich das natürlich, wenn ich es nachvollziehen kann. Ich mag es überhaupt nicht, wenn ich mich einfach ins Studio stelle und jemand anderes benutzt mich...so als Sänger-Marionette. Manche Leute brauchen das auch, aber ich persönlich empfinde so etwas als destruktiv. Auf der letzten Unisonic-Scheibe zum Beispiel hatte Dennis im Demo den Song 'You And I' ganz anders eingesungen. Ich habe es dann sehr gerade gesungen, fast so ein bisschen Halford-mäßig. Nicht vom Attitüde her, sondern eben so geradlinig. Ich war sehr unsicher, weil es ganz anders war, aber der Rest war ganz begeistert, und da habe ich mich sehr drüber gefreut." Man merkt Michael Kiske natürlich auch die jahrzehntelange Erfahrung im Geschäft an. Er weiß, dass es bei Gesangsstilen nicht wirklich richtig oder falsch gibt und wie sich ein Song anfühlen muss, um gut zu klingen.

Wir wollten wissen, wie die Zusammenarbeit mit den Musikern auf "City Of Heroes" war, mit denen Kiske ja schon beim ersten Kiske/Somerville-Album gute Erfahrungen gemacht hatte. "Ich mag Mat und Magnus sehr gerne", antwortet der Hamburger. "Und sie hatten sich ja schon damals bewährt. Es war eine sehr gute Chemie zwischen uns. Unter Musikern hat man ja meistens ohnehin eine sehr gute Chemie, wenn's nicht völlige Idioten sind." Gab es denn vielleicht den Wunsch, die Belegschaft für das Album aufzustocken und die Kollegen von Unisonic mit ins Boot zu holen für das Projekt? "Nein, das eine hat mit dem anderen nichts zu tun. Sicher, wenn man jetzt Dennis fragen würde, ob er was schreiben würde, kann es schon sein, dass er Lust dazu hätte. Aber damit würde man die beiden Sachen wieder einander annähern, und ich finde es gerade gut, wenn sie sich doch sehr voneinander unterscheiden, das macht die Sache ja reizvoll!"

Diesen Sommer hat Michael Kiske noch ein anderes Projekt am Start. Auf dem Rock Of Ages Sommer Open Air in Seebronn tritt der Hamburger gemeinsam mit einem großen Orchester bei "Rock Meets Classic" auf. Diese Auftritte machen auch immer großen Spaß. "Das ist auch wieder eine völlig andere Baustelle", erklärt der Musiker. "Solche Sachen liebe ich ja und mag es, wenn es abwechslungsreich ist." Vorher geht es aber noch mit Unisonic nach Brasilien. Die deutschen Fans müssen sich noch bis 2016 gedulden, bis Unisonic auch bei uns wieder auf Tour kommen. Aber die Planungen laufen bereits. "Letztes Jahr die Tour mit Edguy zusammen hat super viel Spaß gemacht, aber wir peilen für nächstes Jahr schon eine eigene Tour an. Wir sind jetzt dabei, das neue Album zu schreiben, das hoffentlich im April oder Mai nächsten Jahres veröffentlicht wird." Damit dürfen wir uns im kommenden Jahr sowohl auf eine neue Unisonic-Platte als auch auf die dazugehörige Tour freuen!

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Michael Kiske - 'Ich bin keine Marionette!' Seiten 1 2

 

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