Paul Menel

Spare Parts For Broken Hearts

Paul Menel hat unter harten Prog-Fans keinen guten Stand. Schließlich war er der Sänger auf den (ungerechtfertigterweise) verhassten IQ-Scheiben „Nomzamo“ und „Are You Sitting Comfortably“, die die Band seinerzeit mit deutlich eingängigerem und melodischerem Material experimentieren sahen. Nun, daran wird auch „Spare Parts For Broken Hearts“, sein mittlerweile drittes Soloalbum, nicht viel ändern.

Denn obwohl die Arrangements alle sehr eigenwillig und kunstvoll sind und sich den Genre-Klischees widersetzen, gibt es hier ganz schlicht und einfach guten, eingängigen und originellen Pop-Rock zu hören, der Erinnerungen an Peter Gabriel, It Bites, Adrian Belew, Tears For Fears und vor allem die ersten Solo-Scheiben von Fish weckt. Wer dem Material dabei Flachheit und Simplizität unterstellt, disqualifiziert damit aber automatisch seinen Sachverstand. Denn die 14 Songs punkten nicht nur mit großartigen Hooklines, die aufgeschlossenen Pop-Fans das Herz aufgehen lassen, sondern mit allerlei abseitigen musikalischen Einfällen. So wird im – melodisch gesehen – Beatles-lastigen Titelsong eine treibende, fast punkige New Wave-Gitarre eingesetzt, die sich mit den Sitar-Einsätzen, einer traurigen Violine und zappaesken Bläsern (!) in dreieinhalb Minuten über sämtliche Genregrenzen wegsetzt. Derartige Details finden sich in jedem der schön kraftvoll produzierten Songs, so daß die insgesamt 19 an „Spare Parts For Broken Hearts“ beteiligten Musiker auch tatsächlich ihre Spuren hinterlassen. Das Spektrum geht dabei von den erwähnten rockigen Wave-Elementen über folkige Balladen wie ‚Pedestal‘ bis zu durchaus radiotauglichem Stadionrock im Sinne von alten Coldplay oder U2 auf ‚They Call Her Leaf‘. Dazu kommen die cleveren und witzigen Texte, in denen hörbar genauso viel Arbeit und Herzblut steckt wie in den Arrangements der Songs an sich. Dazu gibt es auch noch eine Neuaufnahme des IQ-Songs ‚Common Ground‘, der, entschlackt und im moderneren Soundgewand, ein ganz neues Leben erhält und auf seine Weise dem großartigen Original mindestens ebenbürtig ist.

Paul Menel hat mit „Spare Parts For Broken Hearts“ ein sehr feines Artpop-Album abgeliefert, das es tatsächlich schafft, seine ganz eigene Nische zu besetzen und dabei zeigt, daß es auch im Drei- bis Vier-Minuten-Song-Format immer noch möglich ist, große Gefühle auszudrücken und ausgetretene musikalische Pfade zu verlassen. Das ist mir persönlich unterm Strich nicht nur lieber, sondern im Sinne des Genre-Begriffes auch origineller, kreativer und somit progressiver als die tausendste Kombo, die Pink Floyd, Genesis, Dream Theater, Opeth oder Tool kopiert. Zu beziehen bei den Kollegen von Just For Kicks – die ersten Exemplare werden dort übrigens von Paul signiert ausgeliefert.

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