Robert Reed

Sanctuary III

Die Soloalben von Magenta-Keyboarder sind für mich ja immer so ein wenig streitbar. Schließlich hat er auf den bisherigen Alben „Sanctuary“, „Sanctuary II“ und „Sanctuary Live“ seine ganze Energie darauf konzentriert, ein möglichst originalgetreue Kopie von Mike Oldfield abzuliefern, ohne dabei auf Coverversionen zurückzugreifen. Und auch wenn mir natürlich das Meistern von Oldfields Kompositionssprache, Gitarrentechnik und Produktionsweise als Hobbymusiker allerhöchsten Respekt abringt, so ganz hat sich der Sinn dieser Übung trotzdem nie erschlossen. Denn am Ende bliebt er doch nur der Tom Keating des Prog, der zweitbeste Oldfield, wo er doch eigentlich der beste Reed sein könnte. Aber das sei nun einmal hinten angestellt, über diese Streitfrage könnte man schließlich bis ans Ende aller Tage diskutieren. Konzentrieren wir uns also auf das, was Robert Reed auf seinem neuen Album, wenig überraschend „Sanctuary III“ betitelt, musikalisch kredenzt.

Nachdem der erste Teil sich stark an der „Tubular Bells“- bis „Incantations“-Phase orientierte und das zweite Album am Sound von „Platinum“, „Q.E.2“ und einigen Versatzstücken aus Oldfields frühen Popalben, landet Reed nun in den späten Achtzigern bis Mitte der Neunziger. Vieles von „Part 1“ erinnert an ‚The Wind Chimes‘ vom „Islands“-Album, danach kommt auch wieder die Spätsiebziger Vocoder-Stimme, und natürlich auch wieder die pseudoafrikanischen Chants, die diesmal extrem an die „Son-Dhalla“ (or whatever…) -Gesänge auf „Amarok“ erinnern, auch wenn hier eher von „Makree-Makkaroni“ (or whatever…) gesungen wird. Dazu kommen ein paar Synthie-Wolken, die für Alben wie „Voyager“ oder „Tubular Bells III“ typisch waren – natürlich, das „Suchspiel“ macht für Oldfield-Fans durchaus auch Laune. „Part 2“ ist dann der rockigere der beiden Teile, wieder mit dem unverkennbaren Schlagzeug von Simon Phillips und ausgiebigen Anleihen an ‚Crises‘ (den Song). Aber, und da wird’s interessant: es gibt sogar einige wenige Momente wie das Finale, in denen die Melodieführung trotz röhrenförmiger Glocken und der typischen Vibratogitarre gar nicht mal so besonders nach Oldfield klingt, sondern eher aus dem Hause Hackett oder auch mal von Gordon Giltrap entliehen scheinen. Genau das sind aber die Momente, in denen man aufhorcht und der Musiker Reed aufhört, der ‚Judas Unrepentant‘ zu sein und sich von der Abkupferei emanzipiert.

Ungeachtet dessen ist „Sanctuary III“ aber für Oldfield-Fans durchaus eine weitere unterhaltsame Zwischenmahlzeit. Zumindest für die, die sich auch auf YouTube Star-Trek-Fanfilme zu Gemüte führen und den Verlust des „Expanded Universe“ von Star Wars betrauern. Denn, und da sollte man sich nicht täuschen, so wirklich originell sind eben weder Konzept noch Musik. Vom Künstler Reed hört man hier eben nicht viel, eher vom Handwerker Robert (Rob, der Baumeister?). Der hat sich aber erneut nicht lumpen lassen und eine Bonusdisk mit einem Alternativmix von Oldfield-Produzent Tom Newman (der mir besser gefällt als Reeds Albummix), einer elektronischen Verwurstung diverser Album-Themen im Stil von „Songs Of Distant Earth“ oder „Tubular Bells III“ sowie Edits einiger Albumpassagen spendiert. Dazu kommt noch eine DVD mit Surroundmix, Interviews und Promovideos. Und so eine Fanfiction kann ja auch ganz nett sein. Solange sie nicht irgendwann in „Fifty Shades Of Grey“ eskaliert… Kaufen könnt Ihr das Package auf jeden Fall schon einmal bei Just For Kicks!

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