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Turbostaat -  Stadt Der Angst     Artist:  Turbostaat
    Album:  Stadt Der Angst
    Label:  Clouds Hill
    Release:  05.04.2013
   Medium:  Album
    Genre:  Punk ausdrucken 
    Autor:  maximilian empfehlen/teilen 
 

Landflucht war gestern - heute ist Flucht-von-Stadt-in-noch-größere-und-coolere-Stadt-Flucht. Aus dem Ruhrgebiet nach Hamburg oder Berlin zum Beispiel. Und zurück bleiben dann Städte, die immer weiter schrumpfen - und irgendwann aufgeben müssen. Von diesen Städten im 'Dornröschenschlaf' handelt das fünfte Turbostaat-Album 'Stadt Der Angst' mit seinem Titelsong und Opener 'Eine Stadt Gibt Auf'.

Während auf anderen Kontinenten die Metropolen rasant wachsen, brechen viele deutsche Städte ein, weil die Geburtenrate sinkt, die Jugend abwandert und die Alten bald sterben. Um diese Städte für die Zurückbleibenden weiterhin wohnlich zu gestalten, gibt es in Deutschland Projekte zum Stadtumbau - was häufig Abriss von Häuserblocks bedeutet. Doch Turbostaat wollen keine halben Sachen - wenn schon Abriss, dann aber richtig: 'Es klappt nicht, von außen zu sanieren - die Jungen merken das sofort. Die ganze Stadt ist halber Schutt - kommt, reißt sie endlich ein!' ('Eine Stadt Gibt Auf')

In diesen zerfallenden Städten wohnen dann, wie üblich bei Turbostaat, auch zerfallende Persönlichkeiten - wie zum Beispiel der 'Sohnemann Heinz' aus dem gleichnamigen Stück, der zum Bundeswehr-Auslandseinsatz muss und nicht das befreite Leben anderer Heranwachsender führen kann: 'Und dann im Februar auf dem Weg nach Kandahar liegst Du zitternd auf dem Boden, während andere ins Kino gehen.' - oder der 'Sohnemann Zwei', der hinter den Kulissen Kriegsverhandlungen führt: 'Der Krieg ist nie vorbei, der Krieg ist nie vorbei - solange er sich lohnt!'. Es gibt keine deutsche Band, die angespannte Schicksale mit so einfachen, drastischen Worten so auf den Punkt ausdrücken kann, wie es Turbostaat mit Marten Ebsens Texten und Jan Windmeiers rauer, kratziger Stimme können. So lautet die Zusammenfassung des Songs 'Snervt' schlichtweg: 'Das is scheiße, so scheiße, so scheiße, so scheiße - es is scheiße!' Und die zentralen Fragen im Stück 'Willenshalt' heißen: 'Rainer, warum tut das so weh? Rainer, warum hört das nie auf? Raineeeer?!'

Textlich gibt es an Turbostaat nichts zu rütteln - musikalisch dieses Mal leider hin und wieder doch. Die typischen zerhackten Breaks, das drückende Schlagzeug und das skurrile Grundgefühl gibt es glücklicherweise immer noch. Denen steht auch Sänger Jans hin und wieder ungewohnt melodische und hohe Stimmlage ganz gut zu Gesicht. ('Phobos Grunt', 'Alles Bleibt Konfus') Es knackt dann allerdings an den Stücken 'Fresendelf' und 'Pestperle', die musikalisch zu eintönig bleiben - wohlgemerkt unter musikalischem Blickwinkel. Denn textlich sprechen Turbostaat in letzterem ein wichtiges Machtwort zu Unterstützern von nationalistischem Rock - und werden dabei so deutlich wie selten in ihren Texten: 'Freie Wilde in Euren Hallen - unterm Mantel die alte Idee. Sucht man weiter, die Erben der Scheiße - ich kann nur hoffen, Ihr verendet dabei!'


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- Turbostaat - So wild, dass man hinter Gitter muss
- Turbostaat - Die Insellösung
- Turbostaat - 90 Minuten Leidenschaft

Rezensionen:
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