Agrimonia

Awaken

  • Artist: Agrimonia
  • Album: Agrimonia
  • Label: Southern Lord
  • Release: 2018-01-26
  • Medium:

Um das Geflecht schwedischer Musiker zu entwirren, bedarf es inzwischen eines Doktorgrades und einem Team aus fleißigen Studenten. Im Falle Agrimonia belassen wir es mit einer kleinen, aber aussagekräftigen Schnittmenge: Acursed, At The Gates, Miasmal und Martyrdöd sollen genügen um den Grad an Inzest zu illustrieren. Und genau aus diesen Zutaten nährt sich Agrimonia, zum vierten Mal inzwischen.

Fast fünf Jahre ist es her, dass „Rites Of Separation“ uns das Fürchten auf stimmungsvolle und massive Art und Weise lehrte. Sechs neue Songs in knapp einer Stunde lassen die Welt wiedermal in dunklen Farben erstrahlen, voller Wut, Verzweiflung und Niedergeschlagenheit im Blockbuster-Format. Die Göteborger malen in so vielen Nuancen von Grau, dass es einem kalt den Rücken herunter läuft. Sie verbinden Black-Metal-Gebolze mit herrlichen, nahezu ausufernden postmetallischen Melodiebögen, nähren sich von der unbändigen Energie des Crusts und hüllen ihre Kompositionen in die dunklen Leinen des Dooms, um einen in eine Welt jenseits der uns bekannten zu entführen. „Awaken“ ist eine Tour de Force, ein Wechselbad der Stimmungen, die sich nicht in einem Durchgang erschließt.

Es bedarf Konzentration, Ruhe, Zeit und einen offenen Geist, um sich 13 Minuten lange Epen wie ‚Withering‘ zugänglich zu machen. Es passiert sehr viel in den mindestens neun Minuten der Songs, manchmal sogar zu viel. Auch der Sound unterstreicht die Stimmungen der Songs, mal klar und ruhig, dann wieder massiv, bombastisch und laut. Aber trotzdem wirkt „Awaken“ wie aus einem Guss, wobei eine Einteilung nach einzelnen Tracks irrelevant ist, da es nur in seine Gänze seine Kraft entfaltet. Das düstere Artwork mit seiner Herzschlagkurve aus Ästen vor einer schwarz-grauen Wiese setzt das visuelle i-Tüpfelchen.

Agrimonia haben sich inzwischen weit vom Neo-Crust ihres selbstbetitelten Debüts entfernt und haben neue Welten für sich entdeckt, sind aber ihren Wurzeln treu geblieben, was die Schweden weiterhin authentisch erscheinen lässt. Sie haben mit „Awaken“ ein Album voller Herzblut geschaffen, das weit entfernt vom oberflächlichen Mainstream und easwy listening seine Freunde finden wird.

(geschrieben von Kristian Habermann)

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